Studentenleben in Bonn: Zwischen Uni- und Bandleben

Studieren in Bonn : Vom Hörsaal auf die Bühne

Uni-Bands und Chöre gibt es viele. Anya Lamesch und Flo Büttner wollen als Band „Solitayr“ auf die große Bühne.

Die Universität Bonn hat als Exzellenzuniversität nicht nur gute Forschung und Lehre zu bieten.  Anya Lamesch und Flo Büttner haben an der Universität musikalisch zueinandergefunden. Doch das war nicht genug: Nun beginnen sie als Solitayr die Bühnen Bonns und Umgebung zu erobern.

Kennengelernt haben sich die zwei Studenten vor fünf Jahren im Jazz-Chor der Uni Bonn. Anya studiert Medienwissenschaft, Flo ist VWL-Student. Soweit so unspektakulär. Denn Chöre und Bigbands gibt es an fast jeder Hochschule. So auch an der Hochschule Düsseldorf oder der Universität Bielefeld, die Uni Bonn hat 2018 sogar das erste deutsche Uni-Bigband Festival veranstaltet. In den musikalischen Vereinigungen der Hochschulen geht es oft darum, Kontakte zu knüpfen und musikalisch aktiv zu bleiben. Ein individuelles Musik-Profil kann man sich dort aber eher schwer aneignen. Denn oftmals werden in Uni-Bands Coversongs einstudiert. Für das Erproben neuer Terrains und das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse ist häufig nicht die Zeit. Besonders ist also, was man aus einem solchen musikalischen Zusammentreffen an der Uni macht. Die Bonner Studenten Flo und Anya zumindest singen auch heute noch in dem A-Cappella-Chor, in ihrer eigenen Band „Solitayr“ probieren sie aber auch andere Dinge aus.

Als Solosänger taugt Flo seiner Meinung nach nicht. „Deshalb habe ich Anya nach dem ersten Probewochenende angesprochen“, sagt der 23-Jährige. Instrumentals hatte er schon geschrieben, ihm fehlten allerdings noch eine Stimme und eine Melodie. „Ich glaube Flo sagte damals: ‚Hey, ich finde deine Stimmfarbe toll’“, sagt Anya und lacht. Doch das ist sie tatsächlich.

Sie ist sanft, verträumt aber gleichzeitig kräftig mit einem Hauch Melancholie. Und genau diese beruhigende Schwere spiegeln auch die Songtexte von Solitayr wider. „Dafür bin ich verantwortlich“, sagt Anya. Ein Text handelt zum Beispiel davon, dass man nicht weiß, wo man dran ist. „Aber dabei kann ich ja einfach ich sein“, sagt die 26-Jährige. Bald sollen auch durchaus leichtfüßigere Songs das Repertoire des Duos bereichern. Denn: „Ein Set kann man nicht nur mit melancholischem Mist füllen“, sagt Flo. Zu ihrem Set gehören sowohl selbst geschriebene Lieder als auch Coversongs.

Genre-technisch bewegt sich Solitayr irgendwo zwischen Alternative, Jazz, Progressive Rock und Neo-Soul. „Es ist schwierig, da einen Finger drauf zu halten. Wir mögen Abwechslung“, sagt Anya. Alles was mit einem minimalistischen Setup zu realisieren ist, wird performt. „Das geht von Amy Winehouse, Norah Jones, Van Morrison bis hin zu Stevie Wonder“, sagt Anya.

Bisher haben die beiden sechs Songs aufgenommen, das ist etwa eine halbe Stunde Material. Damit treten sie mittlerweile auch öffentlich auf. Vorher haben die beiden keine Aufmerksamkeit gesucht. „Es war für uns schon befriedigend genug, etwas fertigzustellen“, sagt Flo. Vor allem in Zeiten des Internets sei es einfach, zu produzieren und die Musik mit anderen zu teilen. Ihre Songs sind vor allem auf dem Online-Musikdienst Soundcloud zu finden.

Ende 2018 wollten sie dann doch  Bühnenluft schnuppern. In der Tankstelle in Köln-Süd sang Anya zum ersten Mal live ins Mikrofon und Flo haute in die Saiten. Die Resonanz war so positiv, dass es nun weitergehen soll. Dafür braucht es aber auch einen richtigen Bandnamen. Denn bis vor Kurzem sind sie als „Anya und Flo“ oder umgekehrt aufgetreten, das erinnerte sie zu sehr an ein „Singer-Songwriter-Duo“. „Ich wollte einen kurzen Namen haben“, sagt Anya. Luft fand sie toll, auf Englisch „air“. Das war aber noch nicht Besonders genug. So wurde daraus „ayr“ und schließlich „Solitayr“. „Es hat mit Einsamkeit zu tun. Man kann es aber auch positiv interpretieren, zum Beispiel ein sich selbst besinnen.“

Einen genauen Plan, wie es künftig weitergehen soll, haben Anya und Flo noch nicht. Bisher proben sie nach Bedarf, und wenn sie Lust auf neue Stücke oder andere Cover-Songs haben. „Wir wollen weiter Bonn und Köln abklappern“, sagt Flo. Daraus ergeben sich immer wieder neue Auftrittsmöglichkeiten. Wer weiß: vielleicht sind sie irgendwann die berühmteste Uni-Band Deutschlands.