Düsseldorf: Studenten suchen ihr Profil

Düsseldorf: Studenten suchen ihr Profil

Wer nach drei Wochen merkt, dass er im falschen Fach sitzt, hätte sich mit dem Studienwunsch beschäftigen sollen. Um Abbrecherquoten zu senken, bieten die Unis Düsseldorf und Köln wissenschaftlich begleitete Workshops für Schüler an.

/ Köln Jedes Jahr im Oktober spielt sich an den Hochschulen dasselbe Szenario ab: Immer noch gibt es viele Erstsemester, die sich in Fächer einschreiben, über die sie nichts wissen, von denen sie völlig falsche Vorstellungen haben. Nach drei Wochen ahnen diejenigen dann oft schon, dass sie im falschen Fach sind. Es sind Geschichten wie diese, die die Studienberaterinnen Simone Jawor-Jussen und Elke Reichmann an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf immer wieder hören. Um dem entgegenzuwirken und so auch die Zahl der Studienabbrecher zu senken, bietet die Uni gemeinsam mit der Uni Köln neue Workshops zur Studienwahl an.

Ab den Osterferien werden in den ganztägigen Veranstaltungen Fähigkeiten, Interessen und Vorstellungen der angehenden Studenten in den Blick genommen. Die Experten der Studienberatung informieren über Studienmöglichkeiten und helfen, den individuell passenden Weg zum Studium zu finden, das Ziel im Blick zu behalten und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, es zu erreichen. "Die Teilnahme an den Workshops ist mit der Teilnahme an der Studie ,Durchstarten und Studieren' verbunden, einem Forschungsprojekt des Instituts für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität zu Köln", sagt Elke Reichmann. "Das Projekt soll erforschen, wie effektiv diese Art der Workshops ist. Deshalb werden die Schüler vier Mal befragt." Zielgruppe sind die Schüler der Q1, die also im Jahr 2019 Abitur machen. "Diese neu konzipierten Angebote vermitteln einen besseren Blick auf die eigenen Fähigkeiten, helfen, das eigene Profil zu schärfen und ein starkes Vertrauen in das eigene Können zu entwickeln - und können sich so auch auf die schulischen Leistungen und das Abitur auswirken", sagt Simone Jawor-Jussen.

Die Workshops drehen sich rund um die Frage, was die Schüler nach dem Abitur machen wollen. Was sind ihre Interessen? Was motiviert sie? Was sind Kern-Werte, die ihnen wichtig sind? "Es geht darum, die individuellen Fähigkeiten herauszufiltern, wie jeder persönlich aufgestellt, was das eigene Profil mit besonderen Potenzialen ist", sagt Jawor-Jussen.

Dabei bedienen sich die Experten der beiden Universitäten auch neuester Erkenntnisse aus der Hirnforschung: "Das Gehirn ist danach kein statisches Organ. Es entwickelt sich immer weiter und kann in jedem Alter neue neuronale Verknüpfungen bilden - und sich so in jede Richtung entwickeln", sagt Elke Reichmann. Sätze wie "Darin bin ich nicht gut" sollten eine Studienentscheidung deshalb nicht beeinflussen, sondern hinterfragt werden. "Für den Studienerfolg des Einzelnen ist der Baustein Begabung nicht der wichtigste", sagt Reichmann.

Im Prozess der Studienwahl sollten Schüler und Abiturienten folgende Schritte hin zu einer Entscheidung gehen: Erstens sollten sie ihre Talente und Stärken herausfiltern, auch, indem sie mit Familie und Freunden darüber sprechen. "Was ist es, was mich begeistert? Wofür interessiere ich mich brennend?", sind Fragen, die da eine Rolle spielen, so Simone Jawor-Jussen. Zweitens sollte man Orientierungsplattformen wie www.studienwahl.de erforschen, wie sie die Agentur für Arbeit anbietet. Darüber kann man eigene Fähigkeiten weiter herausfiltern und auch schon dazu passende Studienfächer finden.

Anschließend sei es unerlässlich, auf Tuchfühlung mit den Fächern zu gehen, die man in die engere Wahl zieht. Das heißt: Man muss ein Gefühl für das Fach bekommen, um zu sehen, ob es wirklich passt. "Deshalb sollte man sich in die entsprechenden Vorlesungen setzen, sich den Campus ansehen mit Studenten und Studienberatern reden", sagt Simone Jawor-Jussen. "Nur von einer Beschreibung eines Fachs, die ich irgendwo gelesen habe, oder davon, was man so gehört hat, sollte sich niemand überzeugen lassen. Man muss sich auch selbst auf einem Campus sehen können, vielleicht auch verschiedene Städte miteinander vergleichen."

An jeder Hochschule hat man die Möglichkeit, sich Vorlesungen anzuhören. Zudem gibt es oft auch die Möglichkeit, Studierende einen ganzen Tag lang über den Campus zu begleiten, mit ihnen Vorlesungen und Seminare zu besuchen und vor allem, sie mit Fragen zu löchern.

Auch Workshops zur Studienwahl bieten die allermeisten Universitäten an. In Düsseldorf gibt es als Besonderheit auch das Duale Orientierungspraktikum. Dabei ist man einerseits Student auf Probe und lernt sein Wunschfach in Vorlesungsbesuchen und Beratungsgesprächen kennen. In einem anschließenden Jobpraktikum lässt sich die Studienwahl in der Praxis überprüfen.

(RP)