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Bonn: Stipendiaten sollen bei der Bewerbung nicht übertreiben

Bonn : Stipendiaten sollen bei der Bewerbung nicht übertreiben

Stiftungen achten bei der Vergabe von Stipendien auf Bestleistungen, aber auch auf das Verhalten der Bewerber.

Viele Studenten freuen sich über finanzielle Unterstützung während des Studiums. Stipendien bieten eine ebensolche und darüber hinaus oftmals auch Weiterbildungskurse oder Sommerakademien an. Weil das Angebot attraktiv ist, sind die Auswahlverfahren hart. Bewerber müssen eine Auswahlkommission von sich überzeugen. Das schreckt viele ab, auch wenn sie womöglich geeignete Kandidaten sind.

"Für viele ist diese Selbstbewerbung noch eine Hürde", sagt Roland Hain, Leiter der Auswahlabteilung bei der Studienstiftung des deutschen Volkes. Er wünscht sich, dass die Bewerber an sich selbst glauben und es einfach wagen.

Zwar werden, wie bei vielen Stipendien, auch bei der Studienstiftung des deutschen Volkes Stipendiaten direkt von ihren Professoren vorgeschlagen. Es gibt aber auch die Möglichkeit zur Initiativbewerbung. Die Besten werden zum Auswahltest und einem anschließenden Seminar eingeladen. Wer sich erst gar nicht bewirbt, weil er skeptisch ist, ob er den Anforderungen gerecht wird, vergibt seine Chance.

Roland Hain aber warnt: In der Bewerbung sollte man nicht zu dick auftragen, denn das fliegt früher oder später auf. "Viele blähen ihren Lebenslauf etwas auf", sagt Hain. Doch der Bewerbungsbogen ist Grundlage für das persönliche Gespräch - und spätestens hier wird die Übertreibung schnell aufgedeckt.

Wenn Bewerber ihr Engagement in der Suppenküche oder bei der Jugendtheatergruppe vorzeigten, klinge das erst einmal toll. Zuweilen aber stelle sich im Gespräch heraus, dass der Bewerber die Suppenküche nur aus Erzählungen kenne. Das werfe kein gutes Licht auf den Kandidaten. "Lieber ehrlich sein", sagt Hain.

Das gelte auch für Leidenschaften und Interessen. "Prinzipiell sind Bewerber schlecht beraten, wenn sie Interessen vorspielen, von denen sie glauben, wir wollen das hören", sagt Hain. Wer denke, mit einem Faible für klassische Literatur punkten zu können, bei Nachfrage aber ins Stottern käme, habe schon verloren. Bewerber seien besser beraten, ihren Thomas Mann zuhause zu lassen und ganz offen mit ihrer Leidenschaft für Science-Fiction-Serien umzugehen, wenn dem so ist, sagt Experte Hain.

Ein Missverständnis sei es überdies, wenn Bewerber meinten, sich in Gruppendiskussionen, die oftmals Teil von Auswahlverfahren sind, ständig in den Mittelpunkt stellen zu müssen. "Bewerber sollten hier vor allem soziale Sensibilität zeigen", sagt Hain. Es gelte, auf die Beiträge anderer einzugehen. Wer eine Show abziehe, habe schlechte Karten.

(DPA-TMN)