Köln: So schaffen Bummler ihren Abschluss

Köln : So schaffen Bummler ihren Abschluss

Eigentlich stehen die Abschlussprüfungen an – aber es fehlen noch etliche Scheine und Credit Points aus den vorherigen Semestern. Wenn man im Studium stecken geblieben ist, hilft nur eines: alles auf den Tisch und neu planen.

Im Grunde drängt der Studienabschluss, schon einige Semester sind ins Land gezogen, und so langsam möchte man die Uni auch mal verlassen. Doch beim Blick auf die Zulassung zur Abschlussprüfung zeigt sich: Da fehlen noch Scheine beziehungsweise Credit Points. Beispielsweise von der Klausur aus dem fünften Semester, die man immer vor sich hergeschoben hat, von Seminaren, die man nie besucht und Referaten, die man nie gehalten hat. Wer noch so viele Aufgaben aus der Vergangenheit zu bewältigen hat, kann sich nicht auf die Zukunft konzentrieren. "Die Studenten, die in ihrem Studium regelrecht stecken geblieben sind, haben das Gefühl, einen ganzen Rucksack von Altlasten mit sich herumzutragen", sagt Diplom-Pädagogin Silke Frank von der Psycho-Sozialen Beratung des Kölner Studentenwerks. "Zu dem inneren Druck kommt der Druck von außen: die Eltern und Bekannten, die fragen: Wann bist du endlich fertig?"

Dass man im Studium stecken geblieben ist, merkt man daran, dass zu viele Aufgaben zu erledigen sind, die sich nicht auf das aktuelle Semester beziehen. Um wieder in den Tritt zu kommen, hilft es nicht, weiter alles aufzuschieben. Stattdessen müssen alle Fakten auf den Tisch: Was ist noch zu tun, um das Studium beenden zu können? "Dazu spricht man am besten mit den Beratern des eigenen Fachbereichs und macht eine Bestandsaufnahme", sagt Silke Frank. So hat man verbindliche Aussagen und keine Mutmaßungen. Die Fachbereiche kennen diese Situation von vielen Studierenden, so dass einem das Eingeständnis, etwas Unerledigtes vor sich her zu schieben, nicht peinlich sein müsse.

Die Gründe dafür, im Studium stecken zu bleiben, sind laut Silke Frank vielfältig. Oft wurde nebenbei viel gearbeitet. Aber auch Krisen wie Trennungen, Krankheiten, ebenso Auslandsaufenthalte oder Elternzeit können dazu führen, dass man nicht wieder in das System Uni zurückfindet. "Neben einem Berg an Aufgaben, die in der Masse oftmals schwer zu bewältigen sind, neigen einige Studierende zudem zum Aufschieben von Dingen. Man sagt sich: Das mache ich morgen oder nächstes Semester – statt die Sache tatkräftig anzugehen." Manchmal fehlt ein gutes Zeitmanagement, manchen mangelt es an Organisationstalent, manchmal ist es schlicht Überforderung.

Deshalb ist es für den Weg aus dem Steckenbleiben wichtig, an sich selbst zu arbeiten und kritisch zu beleuchten, wie man eigentlich in die Situation gekommen ist. Dazu gehört auch zu fragen, ob das Ziel Studienabschluss überhaupt noch das richtige ist.

"Grundsätzlich hilft ein ordentliches Zeitmanagement", sagt Silke Frank. So sollte man strikt zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden und den Uni-Tag wie einen Arbeitstag einteilen. Zudem sollte man Zeitpläne schreiben, bis wann welche Aufgabe erledigt sein muss. Der Arbeitstag sollte genau geplant sein und braucht einen eindeutigen Anfangspunkt und ein Ende. Achtung: Jeder hat zum Lernen einen anderen, individuell richtigen Zeitpunkt – morgens, nachmittags oder abends. Danach sollte man auch seinen Tag einteilen. Am Ende der Arbeitszeit, zum Feierabend, soll es eine Belohnung geben, zum Beispiel einen Kinobesuch, Zeit fürs Hobby, Sport oder Freizeit am PC.

Apropos PC: Am Arbeitsplatz zu Hause locken viele Ablenkungen. So eignet sich die Uni- oder Fachbibliothek wesentlich besser zum Lernen. Wie ein Arbeitnehmer geht der Student dann aus dem Haus. Kommt er zurück in sein Zimmer, hat er Feierabend. So ist das eigene Zuhause befreit von allen Gedanken an Arbeit und Prüfungen – und der richtige Ort zum Entspannen.

"Sehr hilfreich ist es, sich Studenten in der gleichen Situation zu suchen", sagt Silke Frank. Dazu bieten die Studienberatungen oder Studentenwerke spezielle Kurse mit Namen wie "Im Studium stecken geblieben" oder "Ich will mein Studium beenden" an. Und dabei ist es ganz egal, welchen Fachbereichen die Kommilitonen angehören – Hauptsache, man formuliert Ziele, verabredet sich zu Lernzeiten in der Bibliothek und kontrolliert so gegenseitig Fortschritte.

(RP)
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