Münster: Schwierige Kooperation NRW - Niederlande

Münster : Schwierige Kooperation NRW - Niederlande

Eine Studie der Universität Münster weist auf zahlreiche Hindernisse bei der Zusammenarbeit hin.

Seit dem Beginn des Bologna-Prozesses Ende der 1990er Jahre sind die Studiengänge innerhalb der Europäischen Union besser vergleichbar geworden und die Hürden für die Weiterführung eines Hochschulstudiums in einem anderen Mitgliedsland gesunken. Seither sind auf Hochschulebene auch etliche grenzüberschreitende Kooperationen entstanden - auch zwischen Universitäten und Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden. Durch die räumliche Nähe, aber auch aufgrund der vielen wirtschaftlichen Verflechtungen beider Ökonomien bestehen seit langem viele formelle und informelle Kontakte, durch die auch im Hochschulwesen die jetzt diagnostizierten weitreichenden und festen Kooperationen entstanden sind.

Mit der Inventarisierung der Zusammenarbeit auf Hochschulniveau, die nun unter Leitung von Professor Friso Wielenga am Zentrum für Niederlande-Studien an der Uni Münster entstand, wurden an den 16 Universitäten und 50 Fachhochschulen in NRW insgesamt 34 Hochschulkooperationen mit niederländischen Partnerhochschulen verabredet. Bei den Universitäten sind es die RWTH Aachen, die Ruhr-Universität Bochum, die Universität Duisburg-Essen, die Universität zu Köln sowie die Uni Münster, an denen Kooperationen mit Partnern auf niederländischer Seite existieren. Bei den Fachhochschulen arbeiten die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die Cologne Business School, die Fachhochschule Dortmund, die Fachhochschule Münster sowie die Hochschule Neuss für internationale Wirtschaft auf verschiedene Art und Weise eng mit niederländischen Partnerhochschulen zusammen.

Die Bandbreite erstreckt sich dabei von der gemeinsamen Organisation von Sommerprogrammen über verpflichtende Auslandsaufenthalte in den Niederlanden bis zu gemeinsam konzipierten binationalen Studiengängen und Abschlüssen verschiedener Fachrichtungen. Beispielhaft herausgegriffen seien der Masterstudiengang "Niederlande-Deutschland-Studien" an der Uni Münster und der Universität Nijmegen, das Bachelorstudium "International Business Management" zwischen der FH Dortmund und der HES Amsterdam, welches mit einem Double Degree abgeschlossen werden kann, das gemeinsam organisierte "Seminar für deutsche und niederländische Polizeibeamte", das jährlich von der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster und der Politieacademie in Apeldoorn angeboten wird, sowie die gemeinsame Promotionsmöglichkeit an den Universitäten Münster, Nimwegen und Groningen. So erfolgreich die grenzüberschreitenden Hochschulkooperationen auch sind, bis eine Zusammenarbeit zwischen einer nordrhein-westfälischen und einer niederländischen Hochschule zustande kommen kann, müssen - wie die Befragung der 66 Hochschulen in NRW ergab - meist viele Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. So stellen unterschiedliche administrative Vorgaben die größten Hindernisse einer Kooperation dar.

Dazu gehört etwa die unterschiedlich lange Regelstudienzeit in beiden Ländern, die andere Aufgliederung des Studiums und unterschiedliche Anfangszeitpunkte der Semester und Studienjahre, aber auch ein unterschiedliches Benotungssystem oder Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Studienleistungen. Während die Studiengebühren in den Niederlanden dabei vor allem für Studieninteressierte in NRW ein Grund sind, sich gegen ein Studium auf der anderen Seite der Grenze zu entscheiden, schreckt Niederländer an Deutschland vor allem ab, dass es hierzulande nur wenig englischsprachige Lehrveranstaltungen gibt.

(RP)
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