Bildungsforschungs-Studie: Schlechte Karten für Förderschüler in NRW

Bildungsforschungs-Studie : Schlechte Karten für Förderschüler in NRW

Im Bundesvergleich haben Förderschüler in Nordrhein-Westfalen schlechtere Chancen, zusammen mit den anderen Schülern eine Regelschule zu besuchen. Im Schuljahr 2010/2011 lernten bundesweit 22,3 Prozent der verhaltensauffälligen, lern- oder körperbehinderten Schüler an einer regulären Schule.

In NRW waren es lediglich 16,1 Prozent, wie eine am Freitag veröffentlichte Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm belegt. Hinter NRW liegen nur noch Hessen (14,8 Prozent) und das Schlusslicht Niedersachsen (8,5 Prozent). Spitzenreiter ist Schleswig-Holstein mit 49,9 Prozent.

Allerdings steigen die Zahlen der Studie zufolge auch in Nordrhein-Westfalen: Ein Jahr zuvor waren lediglich 15,5 Prozent der Förderschüler inklusiv unterrichtet worden, hat Klemm im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung errechnet.

Vor drei Jahren (26. März 2009) trat die UN-Konvention in Kraft, die die Abkehr vom derzeitigen Sonderschulsystem vorschreibt. Derzeit gibt es in Deutschland knapp eine halbe Million verhaltensauffällige, lern- oder körperbehinderte Schüler, die besonderen Förderbedarf haben. Davon entfallen auf Nordrhein-Westfalen gut 117 000.

Bundesweit würde die weitgehende Umsetzung der UN-Konvention zur Inklusion 660 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich kosten. Unterm Strich müssten nämlich mehr als 9300 Lehrer neu eingestellt werden, um die Inklusion innerhalb des kommenden Jahrzehnts umzusetzen, ergab die Studie.

Für Nordrhein-Westfalen wäre ein Umbau des Schulsystems wegen sinkender Schülerzahlen vergleichsweise günstig, wie es hieß.
Trotzdem bliebe unterm Strich ein Mehrbedarf von 1339 Lehrern.
Umgerechnet bedeutet das im Vergleich zum Schuljahr 2009/2010 zusätzliche Kosten von jährlich rund 95,1 Millionen Euro. Darin sind keine Umbaukosten für Schulgebäude enthalten.

Hier geht es zur Infostrecke: Was die Länder durch bessere Bildung sparen könnten

(lnw)