Studenten-Leben : Schlampig korrigiert

Eins hat sich seit Schulzeiten nicht geändert: Schuld an schlechten Noten sind immer die anderen. Früher waren das die gemeinen Lehrer, die einen angeblich schon immer auf dem Kieker hatten und nur hinter den Namen ihrer Lieblinge Sternchen ins Klassenbuch malten. An der Uni sind die Bösen dann die Korrektoren. So hieß es schon zu Beginn meines Studiums von älteren Kommilitonen, dass ich auf Punktezahlen erst mal gar nichts geben dürfe, dass das alles rein willkürlich vergeben, wenn nicht gar gewürfelt werde.

Doch an das immer wieder gern gebrauchte Bild der Notenwürfelei habe ich bisher nicht geglaubt. Schließlich waren auch die Korrektoren mal Studenten und wissen, dass wir für eine Hausarbeit locker für vier Wochen in die Bibliothek einziehen. Doch weil die Vorwürfe von Studenten gegen Korrektoren immer lauter wurden, ist einer unserer Professoren der Sache auf den Grund gegangen. Eine Hausarbeit, die mit 16 von 18 Punkten bewertet war, las er vor Rückgabe noch einmal Korrektur und setzte sie auf sieben Punkte herab.

Die Anmerkungen seines Assistenten ließen klar erkennen, dass die Arbeit kaum gelesen war. Alle Hausarbeiten wurden daraufhin von ihm persönlich oder von festen Lehrstuhlmitarbeitern noch einmal durchgesehen, 80 Prozent wurden neu bewertet. Der Grund: Eine Hausarbeit mit Verstand zu lesen, dauert seine Zeit. Doch bei uns werden die Korrektoren nicht pro Stunde, sondern pro Arbeit bezahlt. Wenn sie sich da nicht beeilen, würde das auf miserable Stundensätze hinauslaufen.

Eine Entschuldigung für das schlampige Korrigieren ist das natürlich nicht. Nur eine Bitte, auch mit Rücksicht auf uns das Honorarsystem zu überdenken.

(RP)
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