"Mit Angst lernt man viel schlechter": Psychologen: Eltern setzen Kinder zunehmend unter Leistungsdruck

"Mit Angst lernt man viel schlechter" : Psychologen: Eltern setzen Kinder zunehmend unter Leistungsdruck

Frankfurt/Main (rpo). Kinder sehen sich einem immer größeren Leistungsdrucks seitens ihrer Elterrn ausgesetzt. Mit einem "befriedigend" oder gar "ausreichend" würden sich die meisten Erziehungsberechtigten nicht mehr zufrieden geben.

Das sagte die Vorsitzende des Berufsverbands Hessischer Schulpsychologen (BHS) Claudia Raykowski in einem dpa-Gespräch. "Mit Angst lernt man aber viel schlechter, als wenn man entspannt aus sich rausholen kann, was da ist." Eltern sollten nicht nur darauf gucken, ob ihr Kind gute Noten hat, sondern auch ob es ihm gut geht.

In Folge des wachsenden Leistungsdrucks nähmen Depressionen bei Schülern zu. "Die Kinder sind dann im Unterricht wie tot gestellt und beteiligen sich nicht." In der Pubertät reagierten die Jugendlichen mit starker Rebellion bis zur Totalverweigerung. Raykowski appellierte an die Eltern, die Schullaufbahn ihrer Kinder kontinuierlich zu begleiten und sich dafür zu interessieren, was in der Schule passiere. "Saisonales Handeln, meist wenn es eng wird, tut den Kindern nicht gut."

Die Psychologin forderte die Eltern auf, ihre Erwartungen an den Nachwuchs selbstkritisch zu überprüfen. "Manche Eltern wissen schon bei der Geburt, dass ihr Kind aufs Gymnasium geht." Zu hohe Erwartungen hemmten die freie Entwicklung ihrer Kinder.

Die großen Ferien sind nach Erkenntnissen der Schulpsychologin für viele Familien nicht nur Erholung, sondern auch Belastung. Auf Grund ihrer wirtschaftlichen Situation könnten zahlreiche Familien nicht mehr so wegfahren wie in den vergangenen Jahren und wüssten nicht, wer ihre Sprösslinge sechs Wochen lang betreuen könne. "Manche Kinder haben ein Beschäftigungsproblem." So könnten sich Schulen, die in den Ferien Angebote machten, kaum vor Interessenten retten.

Andererseits steige das Konfliktpotenzial, wenn die Familienmitglieder enger aufeinander säßen. Dabei gehe es oft darum, dass Eltern die Ferien mit Lernen und Nachhilfe überfrachteten. Sechs Wochen völliges Abschalten von der Schule hält Raykowski allerdings für zu lang. Untersuchungen zeigten, dass die Schüler nach sechs Wochen vieles wieder vergessen hätten. "Drei Wochen sind eine gute Zeit, um sich zu erholen." In der übrigen Zeit sollten sich die Schüler durchaus auch intellektuell fordern. "Sie müssen ja keine mathematischen Gleichungen lösen."