Düsseldorf : Ohne Abi in den Hörsaal

Nach einigen Jahren im Beruf noch einmal etwas Neues wagen - der Start ist nicht leicht.

Am ersten Studientag war Jürgen Schwab alles andere als zuversichtlich. "Ich hatte viele Sorgen", erzählt er. Da war zum Beispiel die Angst, dass Abiturienten ein Spezialwissen haben, das ihm als Realschüler fehlt und das er mit Berufserfahrung nicht wettmachen kann. Und da war die Befürchtung, sich nicht wohl zu fühlen unter den vielen 19-Jährigen, die frisch von der Schule kommen. Schwab studiert heute Jura an der Uni Passau - obwohl er nicht Abitur gemacht hat. Das Studium war sein Traum. Mit 27 Jahren hat er sich eingeschrieben. Möglich macht das ein Passus in der Zulassungsordnung der Uni, nach dem Bewerber die fehlende Hochschulreife mit Berufserfahrung und Weiterbildungen wettmachen können.

2009 gab es einen Beschluss der Kultusministerkonferenz, dass beruflich Qualifizierten ohne Abitur der Weg an die Hochschule erleichtert werden soll. Diese Empfehlung haben die Länder in ihre Landeshochschulgesetze aufgenommen. Doch immer noch sind die Zugangsvoraussetzungen je nach Bundesland und Hochschule sehr unterschiedlich.

Studenten ohne Abitur sind an den Hochschulen die Ausnahme: "Derzeit sind es etwa 2,5 Prozent aller Studienanfänger", sagt Jessica Heibült von der Universität Bremen, die zum Thema forscht. Während es für Schüler viele Hilfsangebote gibt, um den Weg an die Hochschule zu finden, besteht für Berufstätige ohne Abitur kein standardisiertes Verfahren. Und schließlich bleibt die Frage: Wie das Ganze finanzieren?

Schwab hätte nicht in Traum daran gedacht, dass er als Realschüler mal in Passau Jura studieren könnte. Er kam über Umwege ans Ziel: Er fand in Österreich einen Fernstudiengang in österreichischem Recht, an dem er teilnehmen konnte. Über eine seiner früheren Weiterbildungen kannte er einen Professor der Rechtswissenschaft aus Passau. Dem schrieb er eine E-Mail, dass er gerne Jura studieren wolle, aber nur die Möglichkeit des Fernstudiums in Österreich sehe. Der Professor schrieb dem Prüfungsamt und schilderte Schwabs Fall - und das gab überraschend sein Okay. Das war 2012.

Nicht immer muss der Weg zum Studium ohne Abitur so verschlungen sein. Wer sich dafür interessiert, kann sich zum Beispiel bei den Arbeitsagenturen sowie den Kammern über die Zulassungsvoraussetzungen beraten lassen, sagt Kim Maureen Wiesner, zuständig für das Thema beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Wer schon weiß, an welche Hochschule er möchte, geht dort am besten direkt in die Studienberatung. Im Netz bieten die Seiten studieren-ohne-abitur.de und wege-ins-studium.de eine erste Orientierung. Zudem gibt es in einigen Bundesländern unabhängige Bildungsberatungsstellen.

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Bleibt das Problem der Finanzierung: "Als Erstes würde ich nachfragen, ob es eine Möglichkeit gibt, dass der Arbeitgeber das Studium finanziell unterstützt", rät Wiesner. Gerade Großbetriebe sind häufig interessiert daran, dass ihre Mitarbeiter sich weiterbilden. Dann gibt es speziell für Studenten mit Berufserfahrung Stipendien. Dazu gehört zum Beispiel das Aufstiegsstipendium des Bildungsministeriums.

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(DPA-TMN)