Vor dem Beginn des Studiums : Numerus clausus: Was man wissen muss

Nächste Woche enden die Anmeldefristen für das kommende Semester. Wir beantworten Fragen rund um den NC.

Liebhaber exotischer Studienfächer können den anstehenden Anmeldefristen für einen Studienplatz entspannt entgegensehen. Sie müssen in der Regel nicht um einen zügigen Studienplatz bangen, weil die Konkurrenz überschaubar ist. Wer aber Grundschullehrer oder Arzt werden möchte, muss Geduld haben, wenn er kein Spitzen-Abi in der Tasche hat. Wir beantworten einige Fragen rund um den Numerus clausus.

Was ist der Numerus clausus,

und wozu braucht man ihn?

Das Wort Numerus clausus, kurz NC, kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie „beschränkte Anzahl“. Die Zulassungsbeschränkung wird immer dann benötigt, wenn es mehr Bewerber als Studienplätze gibt. Das Verfahren funktioniert nach einem einfachen Schema: Für alle Studiengänge mit NC müssen sich Studieninteressierte, im Gegensatz zu zulassungsfreien Fächern, bewerben. Danach werden die Bewerbungen von der jeweiligen Hochschule sortiert. Der Bewerber mit der besten Note wird ganz oben einsortiert, alle anderen folgen absteigend. Anschließend werden die Studienplätze vergeben und die erfolgreichen Bewerber mit einem Zulassungsbescheid benachrichtigt. Ausnahmen gibt es bei wenigen Studienfächern wie zum Beispiel Medizin, bei der die Vergabe über das Portal „Hochschulstart“ erfolgt.

Meine Abinote entspricht nicht

exakt dem NC. Sollte ich mich

trotzdem bewerben?

Auf jeden Fall. Numerus-clausus-Werte ergeben sich in jedem Verfahren neu aus Angebot und Nachfrage. Es gibt also keinen festen NC. Je mehr Studieninteressierte sich für ein Fach bewerben und umso besser ihre Noten sind, desto höher der NC – das ist meist im Wintersemester der Fall, wenn der Bewerbungsdrang am höchsten ist. Dementsprechend sinkt der NC, wenn es nur wenige Bewerber gibt, deren Noten auch nicht dem NC entsprechen. Ein weiterer Tipp, um die Zulassung für den Traumstudiengang doch noch zu bekommen: Wartesemester sammeln. Die ersten 20 Prozent der Plätze gehen immer an diejenigen mit der besten Abinote. Weitere 20 Prozent der Zulassungen erfolgen nach der Zahl der Wartesemester. Wer am längsten gewartet hat, kommt also ganz oben auf die Liste. Die restlichen 60 Prozent können die Hochschulen nach eigenen Kriterien festlegen. Interessierte sollten sich also auch bei der Hochschule informieren, ob der Weg ins Studium durch Auswahlgespräche oder fachspezifische Tests erfolgen kann.

Wo ist es schwerer, einen beschränkten Studienplatz zu bekommen?

Vor allem in Städten, die bei Studierenden heiß begehrt sind, wie zum Beispiel Berlin. Dort sind 67 Prozent der Studiengänge im Wintersemester 2019/20 zulassungsbeschränkt. Auch in Hamburg und Bremen haben mehr als 60 Prozent der Studienfächer einen Numerus clausus. In Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen gibt es dagegen beste Chancen, einen Studienplätz zu bekommen. Hier liegt die NC-Quote bei 22 Prozent. In ganz Deutschland sind knapp 41 Prozent der Studiengänge zulassungsbeschränkt.

Seit wann gibt es die Zulassungsbeschränkung in Deutschland?

Der NC wurde in Ende der 60er Jahre eingeführt. Damals stieg die Zahl der Studierenden drastisch an, den Platz konnten viele Hochschulen nicht bieten. Viele Unis entschieden sich daher, hauptsächlich naturwissenschaftliche Fächer durch eine Zulassungsbeschränkung zu regulieren. Keine gute Idee, da sich viele Abiturienten wegen des NCs an vielen verschiedenen Unis bewarben und so viele Studienplätze unbesetzt blieben. Da viele Studierende der Meinung waren, dass Bildung für alle zugänglich sein sollte, protestierten sie zu Beginn der 70er Jahre gegen den verfassungswidrigen NC.

Mit Erfolg: Im Jahr 1972 bestätigte das Bundesverfassungsgericht mit dem sogenannten „Numerus-clausus-Urteil“, dass jeder Deutsche das Recht hat, seine Ausbildungsstätte frei zu wählen. Seitdem gibt es genaue Vorschriften darüber, wann der NC eingesetzt werden darf. Nämlich nur, wenn alle Möglichkeiten, weitere Studienplätze zu schaffen, sowie die Ausbildungskapazitäten der Hochschule komplett ausgeschöpft sind. Wenig später kam eine verbindliche Wartezeitquote von 20 Prozent hinzu.

Ist der Numerus clausus

überhaupt noch zeitgemäß?

Jein. Natürlich sollten Unis keine Studierenden aufnehmen, wenn sie keinen Platz haben. Überfüllte Vorlesungssäle und überforderte Professoren sind im Studium nicht besonders hilfreich; eine gute und ausführliche Ausbildung wird in zulassungsbeschränkten Fächern durch den NC gesichert.

Auf der anderen Seite entscheidet eine Nachkommastelle in der Abinote nicht darüber, ob jemand ein guter oder schlechter Logistiker, Pharmazeut oder Arzt wird. Insbesondere im Medizinstudium gelten zu strenge Regeln, durch die Deutschland nicht in der Lage ist, seinen eigenen Nachwuchs auszubilden. Medizininteressierte ohne 1,0-Abi studieren dann häufig in anderen Ländern wie Holland, Ungarn oder Rumänien.