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Düsseldorf: Numerus clausus immer anders

Düsseldorf : Numerus clausus immer anders

Welche Zulassungsbeschränkungen in welchen Fächern gelten, das entscheidet sich jedes Semester neu. Und zwar erst nach Eingang der Studienbewerbungen. Erst dann steht fest, welchen Abi-Notenschnitt man für ein Fach benötigt.

Seit dem 15. Juli ist Schluss. Nichts geht mehr. Nachts um 23.59 Uhr verstrich die Bewerbungsfrist für das kommende Wintersemester. Für die Bewerber beginnt nun das bange Warten mit den bohrenden Fragen: Wann bekomme ich Bescheid? Wie stehen die Chancen auf einen Studienplatz? Vor allem: Ist mein Abitur-Schnitt gut genug? Denn in vielen Studiengängen sind die Plätze knapp. Die Noten müssen stimmen. An der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf etwa war zum Wintersemester des vergangenen Jahres mit einem Notendurchschnitt von 1,5 ein Studienplatz in Medienwissenschaften gerade noch sicher, für Wirtschaftschemie war ein Schnitt von mindestens 1,4 nötig, für Psychologie musste der Abi-Schnitt bei 1,1 liegen - sonst ging vorerst nichts.

Was ist ein Numerus clausus?

Der Numerus clausus (Nc) bezeichnet entgegen der landläufigen Meinung nicht den Notendurchschnitt, mit dem ein Studium gerade noch so aufgenommen werden kann. Numerus clausus ist Latein und steht für "geschlossene Anzahl". Gemeint ist die Aufnahmekapazität in einem Studiengang. Der Notenschnitt ist lediglich das gängige Kriterium, um Plätze in zulassungsbeschränkten Studiengängen zu vergeben.

Wie wird der Numerus clausus bestimmt?

"Der Nc wird durch das Angebot und die Nachfrage bestimmt", erklärt Heine-Uni-Sprecher Julius Kohl. Entsprechend den Kapazitäten in einem Studiengang wird ein Numerus clausus festgelegt. Die Kapazitäten bemessen sich an den "bestehenden personellen, sächlichen und räumlichen Möglichkeiten", heißt es im Bildungsministerium. Darum variieren die Auswahlgrenzen von Uni zu Uni. An der Heine-Uni durften zum vorigen Wintersemester 149 Erstsemester ihr Psychologie-Studium aufnehmen.

Gibt es weitere Zulassungskriterien?

Nur 20 Prozent der Studienplätze in zulassungsbeschränkten Fächern werden an den Landeshochschulen direkt an die Bewerber mit den besten Noten vergeben. Weitere 20 Prozent der Plätze gehen an Bewerber, die genug Wartesemester vorweisen. Beispiel: Für Bewerber, die zwölf Semester gewartet haben, gab es im vergangenen Jahr an der Uni Köln auch noch bei einem Abi-Durchschnitt von 3,5 einen Studienplatz im Fach Neurowissenschaften. Wer gar nicht warten wollte, musste ein Zeugnis mit 1,0 vorlegen. Der größte Teil aller Studienplätze, nämlich 60 Prozent, wird direkt durch die Hochschulen vergeben. Die können andere Kriterien anlegen, etwa die fachspezifische Eignung der Bewerber testen oder Einzelnoten stärker gewichten. In der Regel aber vergeben sie die Studienplätze gleichfalls an die Abi-Besten.

Gibt es auch Studiengänge mit vorheriger Eignungsprüfung?

Aufnahmeprüfungen sind nur in künstlerischen und sportlichen Studiengängen üblich. Zuweilen aber testen Hochschulen vorab die Eignung der Bewerber. Für die internationalen Studiengänge der Fachhochschule Aachen kann sich jeder Interessierte mit Abitur oder Fachabitur zur Eignungsprüfung anmelden. Es werden Sprachkenntnisse und Wirtschaftswissen abgefragt. Erst wer die Prüfung besteht, kann sich bewerben. Dann allerdings entscheidet wieder der Noten-Durchschnitt.

Wie bekomme ich trotzdem einen Studienplatz?

Laut nordrhein-westfälischem Bildungsministerium sind zum kommenden Wintersemester 51,7 Prozent aller Studienplätze an den Universitäten und Fachhochschulen zulassungsfrei. An der Universität Duisburg-Essen sind das etwa die Studiengänge Physik und Water Science. Bei den zulassungsbeschränkten Studiengängen gibt es nach der ersten Vergaberunde allerdings auch noch Chancen: Weil sich viele Studieninteressierte für mehrere Studiengänge und -orte bewerben, bleibt so mancher Platz frei. Die Studienplätze werden in Nachrückverfahren vergeben. "Manche Nachrückverfahren ziehen sich bis ins Semester", sagt der Sprecher der Heinrich-Heine-Universität. Zuweilen entscheidet zuletzt auch das Los.

Gibt es Hochschulen, an denen der Notendurchschnitt nicht entscheidend ist?

Vor allem private Hochschulen sind an keinen Numerus clausus gebunden. An der Uni Witten/Herdecke etwa lässt sich Humanmedizin studieren - nach bestandener Aufnahmeprüfung. Rund 1000 Interessierte würden sich pro Semester bewerben, sagt Uni-Sprecherin Gabriele Molitor, 200 würden zum Gespräch eingeladen, 40 bekämen einen Platz. Entscheidend sei die Motivation der Bewerber, nicht der Notenschnitt. Das allerdings hat seinen Preis: 48 120 Euro kostet das Studium bis zum Staatsexamen. Manche Studiengänge im benachbarten Ausland sind gleichfalls zulassungsfrei. In den Niederlanden etwa gibt es für viele Studiengänge keine Beschränkung - ein Sprachkursus ist aber obligatorisch. Wer flexibel ist, kann manchmal aber auch an Landeshochschulen ans Wunschfach kommen. In Halle an der Saale etwa ist das Studium der Rechtswissenschaften zulassungsfrei. An der Uni Köln war zuletzt ein Schnitt von mindestens 1,8 nötig.

Wann gibt es den Zulassungsbescheid?

Spätestens bis zum 5. August werden die Zu- oder Absagen im Bundesland Nordrhein-Westfalen versandt. So haben es die Hochschulen und das Bildungsministerium verabredet.

(RP)