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Studentenbefragung: Nachwuchskräfte lehnen Frauenquote ab

Studentenbefragung : Nachwuchskräfte lehnen Frauenquote ab

Nicht nur in Politik und Wirtschaft wird über eine Frauenquote diskutiert, sondern auch unter Studierenden. Eine bundesweite Umfrage belegt nun die Skepsis gegenüber der erhofften Chancengleichheit.

Argumente für und gegen eine Frauenquote wurden bereits viele vorgebracht. Doch was denken die, die von einer solchen Regelung in den nächsten Jahren direkt betroffen wären? Die Chancengleichheit von Frauen und Männern im Beruf war eines der Themen einer Umfrage der "Agentur ohne Namen" und der Studentenorganisation MTP.

Die Befragten positionierten sich außerdem zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ihrer Vorstellung von Karriere und den bevorzugten Führungsstil. Das Ergebnis soll die Denkweise der Führungskräfte von morgen repräsentieren. 1.190 Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen nahmen teil, 61 Prozent davon Frauen.

Wohlfühlfaktor Arbeitsplatz

Die Mehrheit der Teilnehmer versteht Karriere als "einen stetigen Weg zu persönlichem Wachstum, Selbstverwirklichung und Befriedigung". Der Anteil der Männer, die eine Führungsposition einnehmen wollen, ist dabei mit 77 Prozent höher als der der Frauen (66 Prozent). Die Vorstellungen der eigenen Ambitionen sind unterschiedlich.

Die Befragten wünschen sich vor allem eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatem. Ein gutes Betriebsklima und Weiterbildungsangebote seien wichtiger als das Gehalt oder das Image des Unternehmens. "Es wächst eine Generation heran, die bezüglich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie Forderungen an die Unternehmen stellen wird", sagt Melanie Vogel, Geschäftsführerin der Agentur ohne Namen und Initiatorin der Umfrage.

Frauenquote wird abgelehnt

Die weiblichen Studierenden sind allerdings skeptischer, dass dieser Spagat auch tatsächlich gelingen wird. Jede Zweite glaubt, dass sie mit Babypause und Erziehungszeit trotz gleicher Qualifikation nicht die gleichen Karrierechancen haben wird. Es herrscht Verunsicherung, eine Frauenquote wird dennoch mehrheitlich abgelehnt. Die Vereinbarkeit ist bei den Nachwuchskräften jedoch kein reines Frauenthema mehr.

Von den befragten Männern sind drei Viertel optimistisch, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für sie möglich sein wird. Vogel: "Die Studierenden möchten nicht vor die Entscheidung Kind oder Karriere gestellt werden und sie lehnen ab, aufgrund veralteter Rollenbilder bewertet zu werden."

Mehrheit setzt auf Durchmischung

Drei Viertel der Frauen halten geschlechtlich gemischte Arbeitsteams zudem für besonders effizient, ebenso wie zwei Drittel der Männer. Barbara Kolocek, Projektleiterin der Studie, will diese Debatten um Karriereplanung und Chancengleichheit nicht länger nur der Politik überlassen: "Es wichtig, die Wünsche und Einstellungen der Nachwuchskräfte ernstzunehmen und darauf zu reagieren."

Eine weitergehende Diskussion der Ergebnisse wird es am 4. Mai in Bonn geben. Im Rahmen der "Female Recruiting Conference" wird die Studie ausführlich thematisiert.

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(chk)