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Auch Teufel und Merkel fordern Nachbesserungen: Ministerpräsidenten wollen Reform der Rechtschreibreform

Auch Teufel und Merkel fordern Nachbesserungen : Ministerpräsidenten wollen Reform der Rechtschreibreform

Berlin (rpo). Die Rechtschreibreform wackelt. Nach Informationen der "Welt am Sonntag" sind fünf Ministerpräsidenten offenbar nicht mehr überzeugt, dass die Rechtschreibreform im kommenden Jahr verbindlich werden soll. Grund: Die Reform sei in vielen Fällen "über das Ziel hinausgeschossen".

Nach Christian Wulff (Niedersachsen), Peter Müller (Saarland), Edmund Stoiber (Bayern) und Wolfgang Böhmer (Sachsen-Anhalt) sprach sich auch der baden-württembergische Regierungschef Erwin Teufel für eine Reform der Reform aus: Dass bei der Rechtschreibreform in vielen Fällen übers Ziel hinaus geschossen worden sei, sei offensichtlich, sagte er der Zeitung. Ähnlich äußerte sich in der "Bild am Sonntag" CDU-Chefin Angela Merkel.

"Die Rechtschreibreform war von Beginn an abwegig und jetzt wissen wir: Sie ist gescheitert", sagte Wulff, der die neuerliche Diskussion über die Reform angestoßen hatte. Böhmer wird in der Welt am Sonntag" zitiert: "Da ich die neue Rechtschreibung nie akzeptiert und praktiziert habe, brauche ich zur alten gar nicht zurückzukehren". Er habe die Reform ohnehin nie als gelungen betrachtet.

Als amtierender Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz hat Stoiber das Thema auf die Tagesordnung des nächsten Treffens im September gesetzt. Allerdings sind die Regierungschefs der SPD-regierten Länder gegen eine Rücknahme der Reform, wie eine Umfrage der "Welt am Sonntag" ergab. "Diesen Sack machen wir nicht mehr auf", erklärte Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis. Ähnlich äußerten sich Klaus Wowereit (Berlin) und Henning Scherf (Bremen). Kurt Beck (Rheinland-Pfalz) sprach von Zusatzkosten von bis zu einer viertel Milliarde Euro, falls die Reform zurückgenommen würde.

Und auch innerhalb der Union gibt es der "Welt am Sonntag" zufolge unterschiedliche Meinungen. So erklärte der hessische Ministerpräsident Roland Koch, die Beschlüsse würden stehen, und es gebe keinen Bedarf für Veränderung. Der thüringische Regierungschef Dieter Althaus (CDU) erinnerte daran, dass seit 1998 "alle Schüler nach der neuen Rechtschreibung lernen". Georg Milbradt (Sachsen) wird zitiert: " In den Schulen, Verwaltungen und auch Firmen mühen sich alle seit sechs Jahren, die neue Rechtschreibung zu lernen und zu schreiben. Wenn wir jetzt zur alten zurückkehren, wäre die Verwirrung komplett". Außerdem habe Deutschland im Moment andere Sorgen als die Rechtschreibreform.

Merkel sagte in der "Bild am Sonntag", Kulturstaatsministerin Christina Weiss und die Ministerpräsidenten sollten sich treffen und das Für und Wider der Rechtschreibreform noch einmal gründlich diskutieren.