Düsseldorf: Macht der Bachelor krank?

Düsseldorf : Macht der Bachelor krank?

Eine Studie der Universität Heidelberg bestätigt: Magister und Diplom belasten weniger.

Bachelor und Master sind ein relativ junges Phänomen an deutschen Universitäten. Die Idee, die Studienabschlüsse in Europa zu vereinheitlichen, entstand 1999 im italienischen Bologna. Seit 2010 gibt es nun in Deutschland keine neu startenden Magister- und Diplomstudiengänge mehr. Im Vergleich zu den alten Magister- und Diplomstudiengängen erreichen Studierende eines Bachelorstudienganges schon nach sechs Semestern einen Abschluss, der den Zugang zum Arbeitsmarkt eröffnet.

Der sogenannte Bologna-Prozess zieht aber auch so manche Nachteile mit sich: zum Beispiel die Beschränkung der Masterstudienplätze durch Numerus clausus, da zu wenig Masterplätze zu Verfügung stehen. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Kürzung auf sechs Semester die Studierenden ausreichend auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereitet und sie nicht unter einen zu hohen Leistungsdruck setzt. Eine Studie der Universität Heidelberg hat genau das bestätigt: Ein Bachelorstudium belastet mehr als die vorherigen Magister- und Diplomstudiengänge.

"Dass die Belastungen gestiegen sind, ist nicht nur gefühlt, sondern real und begründet", sagte Monika Sieverding, die als Psychologieprofessorin die Studie leitete. Der Druck, in den Prüfungen gut abzuschneiden, hat enorm zugenommen, denn jedes Ergebnis zählt für die Endnote. Die sollte in einem sehr guten bis guten Bereich liegen, wenn man einen Masterstudiengang an den abgeschlossenen Bachelorstudiengang anhängen möchte.

Vor allem Erstsemester sind noch nicht ans selbstständige Lernen gewöhnt, das man aus der Schulzeit, in der man sich von Klassenarbeit zu Klassenarbeit gehangelt hat, nicht kennt. Hinzu kommt die finanzielle Lage: Das Studium wirft Kosten auf, man lebt nicht mehr bei den Eltern, es muss regelmäßig Miete gezahlt werden, doch mit welchem Geld? Den meisten Studenten bleibt nicht viel Zeit für einen Nebenjob.

Um Studenten mit Problemen dieser Art zu helfen, sind psychologische Beratungsstellen in fast jeder Hochschule zu finden. Dort können sich Studenten telefonisch oder per E-Mail an Diplom-Psychologen wenden, diese unterstehen der Schweigepflicht. Einer Erhebung der Techniker-Krankenkasse zufolge befinden sich pro Jahr etwa 90 000 der 1,9 Millionen Studenten in Deutschland in psychotherapeutischer Behandlung. Als Auslöser der festgestellten Angststörungen und Depressionen nennt die TK Leistungsdruck im Studium und die große Sorge, nach Ende des Studiums gegen die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt nicht ankommen zu können.

Es gibt Möglichkeiten, den Leistungsdruck und die Zukunftsängste der Studenten zu vermindern. Eine ist die, das Studium für eine Weile hintanzustellen - es zu verlängern. Dadurch ist mehr Raum geschaffen, auch um Geld zu verdienen und sich um Partner- und Freundschaften zu kümmern. Denn keiner ist dazu verpflichtet, das Studium in der Regelzeit abzuschließen. Auch für die Studenten, für die diese Option nicht in Frage kommt, ist der Besuch bei einem Psychologen der erste Schritt auf der Suche nach einem Plan B und in Richtung Besserung.

(RP)
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