Kolumne Studentenleben : Warum es Konflikte der Generationen dringend braucht

Das Mit- und Gegeneinander von jungen und älteren Menschen bringt die Gesellschaft voran. Diese Erfahrung lässt sich auch im Hörsaal und auf dem Uni-Campus machen.

Jung gegen Alt. Diese Parole begleitet unterschwellig viele Seminare, Hausarbeiten oder Gespräche von Studierenden wie auch Dozierenden. Beide Parteien stehen im besten Falle im dauerhaften und wechselseitigen Austausch, in dem Meinungen, Inhalte oder Arbeiten diskutiert, verglichen und auf- und abgewertet werden. In vielen Fachgebieten deren Fokus auf künstlerischen, sozialpolitischen oder kulturorientierten Zusammenhängen liegt, werden die Inhalte stark von gesellschaftlichen und geschichtsträchtigen Erkenntnissen und Ereignissen beeinflusst.

Überzeugungen und Ansätze werden daher von Generationen geprägt und weitergegeben. Dozierende gehören demnach einer solchen Instanz an, schließlich ist es deren Aufgabe ihr erfahrenes Wissen zu vermitteln. Mit der Erwartung, die entsprechenden Themengebiete zu erfassen, kommen Studierende an eine Hochschule oder Universität und hinterfragen dabei im Idealfall regelmäßig ihren Input. Dass es nun dabei zu Reibungen kommt, ist zu erwarten und vorprogrammiert. Egal, ob es sich beispielsweise um das Vertreten gewisser Ästhetiken, die Haltung zu gesellschaftspolitischen Themen wie Feminismus und Rassismus oder den Themenkomplex zum Klimawandel handelt: Auf gewisse Art scheint hier immer Jung gegen Alt durch. Selbstverständlich laufen solche Auseinandersetzungen nicht immer angenehm und mühelos ab. Dennoch ist meine Behauptung, dass ohne diese Generationskonflikte sich die jeweiligen Fachwelten nicht zu dem entwickelt hätten, was sie heute sind. Vor- und Nachteile inklusive.

Veränderung, gleich ob zum Guten oder Schlechten, geschieht durch Auflehnung, durch Konfrontation. Oft erkennt man schon nach kurzer Zeit im Austausch, im Seminar oder im Gespräch zwischen den Zeilen welche Schule, Prägung und damit einhergehende Dogmen bei den Lehrenden vorherrschen und im schlechtesten Falle auf die Studierenden übertragen werden sollen. Wenn es sich nicht gerade um Fakten handelt, werden diese Positionen nicht selten mit Widerstand anerkannt, teilweise stehen sie auch völlig entgegen den studentischen Auffassungen. Der Diskurs, der nun erforderlich ist, diese Gräben zu ebnen oder auszuweiten, ist für die Entwicklung und Ausrichtung der jeweiligen Fachrichtung von enormer Bedeutung. Schließlich sind es die Studierenden, die die Fachwelt der Zukunft gestalten, bis sie sich zwangsläufig selbst in der Position der Alten wiederfinden und dasselbe Jung gegen Alt erfahren, wie sie es pflegten auszuleben.