Kolumne Studentenleben : Sag doch was

Das Lernen in den eigenen vier Wänden verhindert Diskussionen, beschwört die einseitige Kommunikation und hemmt einen anregenden Austausch. Was Autor Luis Küffner bei mOnline-Seminar vermisst.

Total daneben“, „Super interessant“ oder „Wie fandest du das?“ sind in privaten Chats unter Studierenden vielleicht die einzigen Äußerungen und damit Versuche, sich in dieser Zeit über Inhalte im Online-Unterricht auszutauschen. Bis auf einzelne Emojis oder Textzeilen lässt ein solcher Unterricht wenig Platz für Diskussion und Reflexion.

In vielen Fällen werden Inhalte an Hochschulen präsentiert, gekaut werden müssen sie selber. Es ist Ziel und wünschenswert, dass Studierende ihren eigenen Verstand gebrauchen und kritisch hinterfragen, was nun eigentlich vermittelt wurde. Nicht unwesentlich ist dafür der Austausch unter den Studierenden selbst. Hier können Positionen diskutiert und verändert werden, teilweise wird überhaupt erst angefangen, wirklich nachzudenken.

In vielen Kursen herrscht einseitige Kommunikation, es wird selten bis gar nicht diskutiert. Dafür spricht, dass eine Hochschule kein entsprechender Ort für Meinungsaustausch und gegenseitige Überzeugung sein muss. Genau deshalb ist der Austausch nach den Seminaren, in den Pausen oder auf dem Heimweg umso wichtiger, damit Haltungen und Missstände innerhalb des Erfahrenen sichtbar und hinterfragt werden können. Dieser Austausch regt die Gedanken an und kurbelt die Weiterverarbeitung der Inhalte in den Köpfen der Studierenden an.

Im isolierten Online-Unterricht am heimischen Computer geschieht das alles kaum. Die fehlende Unmittelbarkeit der Teilnehmenden sowie die digital entfremdete Wand ausgeschalteter Kameras lassen keine Atmosphäre für einen anregenden Austausch entstehen. Ebenso kostet ein „digitales“ Unterbrechen im Gespräch weitaus mehr Überwindung als ein „echtes“, zumal diese Art von Unterbrechung nicht einmal wirklich funktioniert. Da verfliegt doch mal eben in einer großen Diskussionsrunde die geballte Gegenargumentationswut.

Es muss nicht mal ein konkretes Unterbrechen sein: Allein die eindeutig wahrnehmbare Mimik und Gestik bestimmt maßgeblich den Verlauf von physischen Diskussionen. Auch gegenseitiges Lob und Kritik zu eigenen Arbeiten verkürzt sich, bleibt aus. Vor allem in künstlerischen Studiengängen ist der Austausch ein Mittel zur Reflexion und Besinnung. Die sich nun bildende Blase kann beeinträchtigend wirken. Es findet ein Nichts-Sagen statt, ein stummes, farbloses Erfahren von Inhalten. Ein Studium sollte im Idealfall ein Gegenteil davon sein.

Es geht nun vor allem darum, sich dieser Problematik bewusst zu werden und Lösungen zu finden. Mehr Zeit für private oder in Seminaren stattfindende Diskussionen können erste Überlegungen sein. Vielleicht heißt es dann eher „Ich freue mich aufs Treffen später!“ oder „Das wird aber dicken Konter geben!“.