Ideenpark in Essen: Kinder erobern die Ideen-Wunderwelt

Ideenpark in Essen : Kinder erobern die Ideen-Wunderwelt

Mit dem Ideenpark wird die Essener Messe für zwei Wochen zum Treffpunkt für angehende Nachwuchs-Forscher. In zwölf Hallen können sich Kinder spielerisch mit Technik auseinandersetzen. Ob Körperkino, Nanowelt oder Schatzinsel, jeder Bereich ist eine Welt für sich. Ein erster Eindruck.

Wenn Philipp Rinke könnte, würde er sich zum Beispiel eine neue Leber bauen — und damit seine eigene, kranke ersetzen. Philipp ist sechs, es wird noch eine Weile dauern, bis er seine "Lebermaschine" erfinden kann. Das breitgefächerte Angebot des Ideenparks soll ihm dabei helfen, die Scheu vor Technik und Medizin zu verlieren.

In Halle 2, im Körperkino, lernt der junge Bochumer, wie ein Ultraschall funktioniert und wo in seinem Körper — trotz der kranken Leber — alles andere seinen Platz hat. Deshalb sind seine Eltern mit ihm zur Essener Messe gefahren. "Er sollte mal die Seiten tauschen können, einfach verstehen lernen. Ohne Arzt, der immer alles besser weiß", sagt Mutter Melanie Rinke.

Tatsächlich ist die vierte Ausgabe des Ideenparks kein guter Ort für Besserwisser, sondern eine Spielwiese für Wissenshungrige. Wer hier etwas werden will, muss Fragen stellen und ausprobieren. Er muss Wassertropfen in die Hand nehmen, um den Lotusblüten-Effekt zu verstehen. Er muss draufdrücken, reingucken, sich draufstellen, runterrutschen oder reinklettern.

Den perfekten Rundgang gibt es nicht

Einen perfekten Rundgang durch die zwölf Messehallen mit 150 Ausstellern gibt es nicht. Der Ideenpark verlangt Eigeninitiative, will durchaus kraftraubend erobert werden. Am besten ist es, das eigene Interesse in den Vordergrund zu stellen und die entsprechenden Themenfelder konsequent zu erschließen. Elektrofans schmieden beispielsweise Platinen für die Songaufnahme, kreative Köpfe designen das eigene Skateboard, Mechaniker schrauben an einer perfekten Autosteuerung.

Zu Ende gedacht ist das Wenigste. Soll es auch gar nicht. Es gehe darum, Neugierde zu wecken, sagte Heinrich Hiesinger, Chef des beim Ideenpark federführenden Unternehmens Thyssen-Krupp. "Wir brauchen junge Menschen, die unseren Wunsch nach mehr Technik befriedigen und dennoch die wichtigen Themen wie den Umweltschutz beachten können. Wir müssen zeigen, dass es eigentlich nichts Besseres als ein Ingenieurstudium geben kann."

So gesehen ist der Ideenpark zwar eine bunte, aber nicht minder ernst gemeinte Antwort auf den Hilferuf der Wirtschaft. Weil entsprechende Bewerber fehlen, können derzeit etwa 100 000 Ingenieurstellen nicht besetzt werden, hat der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) unlängst vorgerechnet.

Ob der zwölfjährige Roman eines Tages als Ingenieur arbeitet, wird sich finden. Aber das nötige Interesse bringt er mit. Roman geht aufs Gymnasium und findet es unfassbar schade, noch keinen Physikunterricht zu haben. Seine Eltern hat er mehr oder weniger genötigt, mit ihm gleich am ersten Tag zum Ideenpark zu fahren.

Viel zu entdecken für kleine Forscher

Vor allem die Recyclingtechnik hat es dem Schüler angetan: "Einfach toll, was aus alten Plastikflaschen zu gewinnen ist." Kurz darauf schwebt der Zwölfjährige bereits in neuen Galaxien. Im "Weltraumbahnhof" blickt Roman in die Sterne. Hinter ihm spannt sich ein unscheinbares Kunststoffband in den Weltraum, Forscher der TU München erklären, wie sie damit in Zukunft die Raketentechnik überflüssig machen wollen.

Eine Halle weiter geht es eher handfest zu. Lisanne Jacobs (12) aus Burscheid schraubt in Rekordzeit eine Ölleitung zusammen und fixiert damit nebenbei auch noch eine gehörige Portion Vaterstolz bei Gerd Jacobs. "Das könnte sie wohl von mir haben — ich bin Ingenieur." In der Nanowelt dagegen, wo alles eine Milliarde mal kleiner als ein Meter ist, steht derweil Mitarbeiterin Birte Schramm und wartet auf kleine Forscher.

Gleich sollen die Acht- bis Neunjährigen lernen, warum ein Gecko nicht von der Decke fällt und in einer Teflonpfanne nichts festbackt. Tatsächlich lernen Schramm und ihr Team immer selbst etwas Neues. Zum Beispiel, wenn Kinder ihre Pläne für Solarzellen, die auch nachts Energie produzieren, an den eigens dafür vorgesehenen "Baum der Ideen" hängen. "Dann sind wir baff und stellen fest, welches Potenzial in den Kleinen steckt", sagt Schramm.

Damit es nicht nur bei solchen Träumen bleibt, gibt es im Ideenpark fast unendlich viele Möglichkeiten, praktisch zu werden. Etwa mit dem 3-D-Drucker oder in der "GaragenCity", wo vor allem Jugendliche ihre Kreativität umsetzen können. Dies alles an einem Tag zu erleben, ist undenkbar, auch wenn solche Einschränkungen im Ideenpark nichts verloren haben. Nicht der Geist, der Körper streikt nach diesem Überangebot an Ideen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ein Rundgang durch den Ideenpark

(RP/jre/rm)
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