Mönchengladbach: Junge Organisten braucht die Kirche

Mönchengladbach : Junge Organisten braucht die Kirche

Bei der Ausbildung von Kirchenmusikern geht die Musikschule Mönchengladbach neue Wege.

Das heilige Rom hat in seiner jüngsten Synode den Ortskirchen und -bistümern für die Zukunft mehr Entscheidungskompetenz eingeräumt, nach dem Motto: Der Vatikan kann sich nicht um alles kümmern.

Um den Nachwuchs hat sich die Basis immer selbst sorgen müssen: um Menschen, die in die Kirche gehen, um Menschen, die sich zum Priesteramt berufen fühlen, um Menschen, die in der Laienpastoral mitwirken. Und um Kirchenmusiker. An Organisten aber mangelt es derzeit auch, denn die Angebote zur Ausbildung werden mehr und mehr verschlankt, mancherorts sogar eingestellt, wie im Bistum Aachen 2007 beim ehrwürdigen Gregoriushaus bereits geschehen.

Das bedeutet: Die Kirchenmusiker, die es noch gibt, werden immer älter. Und da kaum noch Organisten nachwachsen, droht die Königin der Instrumente eines Tages in etlichen Kirchen zu verwaisen. Nirgends fehlt es an Kandidaten fürs Amt eines Domorganisten, es fehlt an Leuten, die im Nebenberuf dienstags um 9 Uhr den Sterbegottesdienst in der Vorortgemeinde begleiten.

Damit es in unseren Kirchen nicht still und stiller wird, geht die Musikschule der Stadt Mönchengladbach seit einiger Zeit einen innovativen Weg, um den Orgel-Nachwuchs fachkundig und langfristig zu sichern. Sie hat mehrere begabte und erfolgreiche junge Pianistinnen und Pianisten mit einem Stipendium versehen, das von der gemeinnützigen Stiftung eines Gladbacher Ehepaars finanziert wird; diese Stiftung hat das Startkapital eines Stipendienfonds für kirchenmusikalische Ausbildung zur Verfügung gestellt. Zwei Jahre dauert die organistische Ausbildung, für die erfahrene Mönchengladbacher Kantoren beider christlicher Konfessionen Rechnung tragen.

Wie Musikschul-Chef Christian Malescov sagt: "Alle können sich so für eine befriedigende ehren- oder nebenamtliche Organistentätigkeit qualifizieren." Sie bekommen natürlich auch die Möglichkeit, in einer Kirche regelmäßig zu üben. Und falls ihre Lust auf Orgel wächst, können sie womöglich auch eine hauptberufliche Kirchenmusikerlaufbahn mit Studium an einer Musikhochschule einschlagen.

Jetzt haben sich ehemalige und aktuelle Stipendiaten in einem Konzert in der Mönchengladbacher Citykirche vorgestellt. Das Programm war farbig; und man konnte den jungen Musikern vom Kirchenschiff aus zusehen und erlebte so, dass Orgelspiel angewandte Gymnastik ist. Wohin das Spiel mit den Füßen auf den Pedalen führen kann, zeigte Konstantin Glomb, der Bachs tückisches "Pedal-Exerzitium" BWV 598 meisterte. Julia Haak gefiel mit einem sehr inspiriert vorgetragenen "Monolog" von Joseph Rheinberger; Ricarda Sandig kümmerte sich versiert um ein Choralvorspiel von Johann Nikolaus Hanff, Lioba Müller legte bereits viel Kompetenz in ihre Version des "Choral Dorien" von Jehan Alain, und Mai Lan Bui zog in Leon Boëllmanns Toccata aus der "Suite Gothique" alle Register.

Das Motto des Konzerts lautete: "Selber die Orgel spielen - das wär's". Das Publikum zollte dieser jugendlichen Übernahme von Engagement viel Beifall.

(w.g.)