Krefeld: Jetzt ums Auslandssemester kümmern

Krefeld : Jetzt ums Auslandssemester kümmern

Wer im kommenden Jahr über einen Aufenthalt an einer Uni im Ausland nachdenkt, sollte jetzt mit der Organisation beginnen. Sechs bis neun Monate Vorlauf muss man für Auswahl der Uni, Bewerbung und Wohnungssuche einplanen.

Als die Hochschule Niederrhein jüngst bei ihren "Internationalen Tagen" zu einer kleinen Messe rund um das Thema Auslandsaufenthalt einlud, wurde es voll: Studierende aus allen Fachbereichen informierten sich über Tricks und Tipps, um ein Semester in der Ferne zu studieren. "Einige wollten noch recht spontan, also im Februar starten", sagt Nicole Blankenhagel vom Akademischen Auslandsamt der Hochschule Niederrhein. "Das ist schon sehr sportlich, wir empfehlen eigentlich sechs bis neun Monate Vorbereitungszeit." Weitere Tipps der Expertin rund um das Auslandssemester:

Wann ist der ideale Zeitpunkt? Ab dem dritten Semester macht es Sinn. Das sechste Semester ist üblicherweise das Abschlusssemester des Bachelors und kommt nicht in Frage. Wann genau man geht, sollte individuell nach Fachbereich entschieden werden. Denn es stehen gegebenenfalls feste Praxissemester an, die man nicht verpassen sollte.

Wie viel Vorlauf braucht man? Je früher man sich informiert, desto besser. So kann man schauen, welche Partnerhochschulen die eigene Uni hat und überlegen, in welches Land man möchte. Außerdem: Je früher man plant, desto günstiger sind die Flüge. Auch um Förderungen wie Stipendien zu beantragen, braucht man Zeit. "Wenn ich schon im ersten Semester mit der Planung beginne, vermeide ich Stress", sagt Nicole Blankenhagel. "Schließlich muss ja auch sichergestellt sein, dass die Kurse, die ich im Ausland belegen will, anerkannt werden."

Was sind die beliebtesten Ziele? Grundsätzlich sind die europäischen Hochschulen beliebt, da sie - je nach Vertrag - über das Austauschprogramm "Erasmus" vernetzt sind. An einer Erasmus-Uni zahlt man keine Studiengebühren, das Bewerbungsverfahren ist vereinfacht, und die Studienleistungen werden leichter anerkannt. "Unter den Erasmus-Hochschulen sind bei uns derzeit Schweden, die Türkei und auch Frankreich sehr beliebt", sagt Blankenhagel.

Und wenn ich weiter weg möchte - in die USA oder nach Australien? Da wird es mit den Partnerhochschulen der deutschen Unis schon dünner. Aber: Natürlich kann man sich weltweit auf die Suche nach Plätzen für Auslandssemester machen. Allerdings muss man dann Studiengebühren zahlen. Hinzu kommen teurere Flüge. "Australien ist eines der Top-Ziele unserer Studierenden, schon seit Jahren", sagt Nicole Blankenhagel. "Dabei darf man neben den anfallenden Gebühren auch die hohen Lebenshaltungskosten nicht vergessen." Die kann allerdings minimieren, wer nicht in die absoluten Boom-Regionen des Kontinents zieht.

Muss ich Schwedisch sprechen, wenn ich in Stockholm studieren will? Nicht unbedingt. Denn in Schweden wie auch zum Beispiel in Finnland sind die Vorlesungen auf Englisch. "Viele suchen sich Hochschulen in Großbritannien - dabei muss das gar nicht sein. Die Studenten sind immer wieder überrascht, in wie vielen Ländern Englisch die Unterrichtssprache ist." Das gilt auch für die Partneruni der Hochschule Niederrhein in St. Petersburg.

Wie gut sollten meine Sprachkenntnisse denn sein? Grundsätzlich sollte man nicht nach Spanien gehen, wenn man kein Wort Spanisch spricht. Im Zweifel an der eigenen Hochschule noch einen Sprachkursus belegen und/oder im Ausland dann einen Vorkursus in der Landessprache machen. Die Unis außerhalb Europas wollen meist einen Sprachnachweis haben. Für die jeweiligen Tests unbedingt Vorbereitungszeit einplanen.

Wie sorge ich dafür, dass meine Leistungen aus dem Auslandssemester in Deutschland anerkannt werden? "Das muss man dringend vor dem Auslandsaufenthalt klären", sagt Nicole Blankenhagel. Und zwar mit dem Auslandsbeauftragen meiner Fächer. Mit demjenigen schaue ich mir an, was meine Gastuni für ein Studienprogramm bietet - und was davon anerkannt werden kann. So verhindert man auch, dass einen das Auslandssemester Zeit kostet und man länger als geplant studiert.

Wie finanziere ich das Auslandssemester? Wer in Deutschland Bafög bekommt, bekommt dann Auslandsbafög und einen Zuschuss zu den Studiengebühren. Mit diesem kann man sich dann auch entferntere Ziele leisten: "Der Bafög-Zuschuss zu den Studiengebühren beträgt bis zu 4600 Euro. Das kostet auch die günstigste Uni in Australien pro Semester", erklärt Nicole Blankenhagel die Rechnung. Wer an eine Erasmus-Hochschule geht, erhält in jedem Fall ein Stipendium - je nach Land und den dortigen Lebenshaltungskosten zwischen 150 und 270 Euro. Ein Stipendium für alle, die an eine Uni außerhalb Europas wollen, ist "Promos". Nach erfolgreicher Bewerbung erhält man darüber rund 300 Euro monatlich. "Grundsätzlich ist die Finanzierung die wichtigste Frage unter den Studenten", sagt Nicole Blankenhagel.

Wie finde ich eine Wohnung an meiner Uni im Ausland? Meistens über das International Office der jeweiligen Hochschule. Wenn man Glück hat, gibt es vor Ort reservierte Wohnheimplätze extra für Gaststudenten. Zumindest erhält man aber eine Liste mit möglichen Wohnungsangeboten. Die eigene Uni hat außerdem Erfahrungsberichte anderer Studierender vorliegen, die Empfehlungen und Tipps enthalten.

(RP)
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