Studenten-Leben : Immer diese Technik

Hinterlistig schleicht sie sich immer wieder ein in die Hörsäle, kratzt am Image des Professors und macht Vorlesungspläne zunichte. Aber auch ohne sie geht es nicht mehr so richtig, die augenscheinliche Erzfeindin unserer Dozenten, die Technik. Schön, wenn der zerstreute Professor im falschen Ordner landet und statt einer Power-Point-Präsentation zum Kaufvertrag eine Diashow vom vorigen Strandurlaub abläuft. Das dauert dann auch eine Weile an, das rote Kreuzchen oben rechts will ja erst mal gefunden werden. Doch wer es so weit geschafft hat, sich seinen Studenten in Badehosen zu zeigen, hat einigen seiner Kollegen zumindest eine Erkenntnis voraus: Der Beamer kann nichts an die Wand werfen, wenn vorn noch die Kappe aufgeschraubt ist. Und ja, das gilt auch, wenn der Beamer schon angeschaltet ist.

Ganz gewieft wähnen sich jene Magister, die ein Gerät wählen, das in naher Zukunft sein Dasein im Museum fristen wird: den Overheadprojektor. Doch selbst der kann widerspenstig werden, will eingesteckt und auf den richtigen Schärfegrad gestellt werden.

Uns stört das alles natürlich überhaupt nicht, es bringt uns alltäglich zum Schmunzeln und macht die eingedösten Kommilitonen wieder wach. Nur eine Überlegung macht diese kleinen Szenen höchst spannend: Alle Professoren sind doch einmal selber Hiwis gewesen, sie alle konnten einmal mit der Technik umgehen. Möglich, dass Professoren im Moment ihrer Habilitation ausnahmslos an Technophobie erkranken. Wahrscheinlicher, dass es zum Ehrenkodex dieser Berufsgruppe gehört, mit der Technik einfach nicht kooperieren zu können - oder zu wollen.

(RP)
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