Uni Leipzig nennt Männer künftig "Professorin": Hochschulrektorin: "Wir waren nüchtern"

Uni Leipzig nennt Männer künftig "Professorin" : Hochschulrektorin: "Wir waren nüchtern"

Als bekannt wurde, dass an der Universität Leipzig künftig auch Männer "Professorin" genannt werden, war das Echo groß. Und das nicht nur im positiven Sinne. In einem Interview verteidigt nun die Hochschulrektorin das neue Konzept. Sie sagt über die Entscheidungsfindung: "Wir waren nüchtern."

Sowohl für Studenten als auch Dozenten soll in der Grundordnung der Universität Leipzig künftig nur noch die weibliche Variante genannt werden. Und so werden aus Professoren dann Professorinnen. Welchen Wirbel das in der öffentlichen Debatte auslösen würde, damit hat Hochschulrektorin Beate Schücking allerdings nicht gerechnet, wie sie im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" verrät.

"Klar war uns bewusst, dass wir uns für die überraschende Variante entschieden haben", so Schücking in dem Interview. "Aber dass das so einen Wirbel gibt." Für die Rektorin ist klar, dass das die Reaktionen zeigten, "dass es mit der Gleichstellung noch nicht so weit her ist". "Wenn ich mir das ansehe, dann haben wir mit unserer Entscheidung vermutlich eine sinnvolle Debatte angestoßen", sagt Schücking. Vielleicht helfe dieser symbolische Akt, die Debatte über Geschlechtergerechtigkeit an den Unis zu beleben, fügt sie noch hinzu.

Auch die Rektorin war von der Entscheidung überrascht

Dass sich der Erweiterte Senat für die außergewöhnliche Variante entschieden hat, hat aber auch die Rektorin überrascht, wie sie in dem Interview zugibt. Denn die Mehrheit in dem Gremium seien Männer. Darin sei diskutiert worden, wie die Uni mit dem Thema geschlechtergerechte Sprache umgehe. Die Variante Professor/Professorin hätten alle als schrecklich empfunden. Und die klassische Variante — ein Hinweis in der Fußnote, dass auch Frauen mit der männlichen Variante gemeint seien — sei auch durchgefallen.

Denn einige Teilnehmer hätten darauf hingewiesen, dass es in vielen Gruppen der Universität, insbesondere bei den Studierenden, mehr Frauen gebe. "Da haben sogar Mathematikprofessoren in der Runde gesagt: stimmt, geht beides", sagt Schücking. Und schließlich habe sich die Mehrheit für die weibliche Variante ausgesprochen. Sie fügt noch in Bezug auf die Entscheidung zu: "Wir waren nüchtern."

Die Rektorin betont auch, dass die Mitglieder des Erweiterten Senats nicht kämpferisch gewesen seien im Zusammenhang mit der Entscheidung, "der Tonfall war sehr zivil". Natürlich habe es auch kritische Stimmen unter den konservativen Vertretern wie etwa der Rechtswissenschaften gegeben, doch die hätten sich eben am Ende nicht durchgesetzt.

Noch aber ist die Sprachreform nicht gesetzt, denn das sächsische Wissenschaftsministerium muss dem noch zustimmen. Doch laut Schücking gibt es aus dem Ministerium bereits eine positive Rückmeldung.

Als das Interview geführt wurde, hatte die Mitarbeiterin der Hochschulrektorin übrigens gesagt: "Ich verbinde mit Frau Professor Schücking." Schücking selbst kommentierte dies gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" mit den Worten: "Das ist der übliche Sprachgebrauch. Daran wird sich an der Uni Leipzig auch nichts ändern."

(das)
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