Bonn: Hochschulrektoren gegen Umgestaltung der Promotion

Bonn : Hochschulrektoren gegen Umgestaltung der Promotion

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat sich gegen Änderungen bei der Promotion ausgesprochen. Die Promotionsphase dürfe nicht verwässert und zum "dritten Zyklus" nach den ersten beiden Studienabschnitten Bachelor und Master umgestaltet werden, erklärte das Gremium in Bonn. Entsprechende Überlegungen seien ein Eingriff in die Freiheit von Forschung und Lehre und gefährdeten das internationale Erfolgsmodell Promotion, sagte HRK-Präsident Horst Hippler.

Gemeinsam mit Hochschulvertretern aus Frankreich, Großbritannien, Polen und der Schweiz wandten sich die deutschen Hochschulrektoren gegen entsprechende Vorhaben in einigen Mitgliedsstaaten des Bologna-Prozesses. Es sei im Gespräch, konkrete Lernziele zu beschreiben und die sogenannten ECTS-Leistungspunkte, die bereits Bachelor- und Masterstudenten bekommen, auch an Doktoranden zu vergeben, erklärte die HRK. Die EU-Kommission dringe zudem darauf, dass die jungen Wissenschaftler mehr Zusatzqualifikationen für den Arbeitsmarkt erwerben müssen. In der gemeinsamen Erklärung warnen die Hochschulrektoren davor, die Promotionsphase marktkonform umzugestalten. "Die forschungsorientierte Promotion ist der Standard aller wissenschaftlich und innovationspolitisch erfolgreichen Nationen weltweit", sagte HRK-Präsident Hippler. Die bestehende Vielfalt in den unterschiedlichen europäischen Ländern sei zu begrüßen, eine Standardisierung sei nicht nötig.

"Wirtschaft und Gesellschaft haben immer davon profitiert, dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Forschungsthemen selbst suchen und eigenständig bearbeiten", betonte Hippler. Die eigenständige Forschung bereite auf eine wissenschaftliche Karriere, aber auch auf wichtige Funktionen in anderen Bereichen vor, bei denen kreatives Denken nötig sei. Die Rektorenkonferenz findet es zwar grundsätzlich sinnvoll, Doktoranden mehr Angebote zu Kompetenzen für den Arbeitsmarkt zu machen. "Aber dies darf nicht durch eine gesetzliche Regelung vorgeschrieben und ins Zentrum der Promotion gerückt werden", sagte Hippler.

(EPD)
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