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Online-Befragung von Absolventen: "Generation Praktikum" - 40 Prozent arbeiten unbezahlt

Online-Befragung von Absolventen : "Generation Praktikum" - 40 Prozent arbeiten unbezahlt

Der Weg ins Berufsleben führt für viele Absolventen nur über einschlägige Vorkenntnisse. Praktikum heißt das Zauberwort, auf das die Arbeitgeber so viel Wert legen. Am besten viele und am besten möglichst früh. Oder?

Das ganze letzte Jahr über wurden Praktikanten online zu ihren Erfahrungen befragt. Über 5.500 Bewertungen und Einschätzungen wurden auf diese Weise von meinpraktikum.de gesammelt. Die Initiatoren bezeichnen das Projekt als die größte und detaillierteste Studie in diesem Bereich.

Eine der Erkenntnisse lautet: Die "Generation Praktikum", die laut weit verbreiteter Annahme in einer Praktikumsschleife feststeckt, fühlt sich selbst überwiegend wohl dabei. Insgesamt gaben knapp zwei Drittel der Befragten an, mit ihrem Praktikum zufrieden gewesen zu sein. Als Zufriedenheit gilt dabei eine Zuordnung von mindestens 3,5 von 5 zu vergebenen Sternen.

Praktikanten müssen sich mit geringer Bezahlung abfinden

Der Mythos der Ausbeutung der Praktikanten als billige Arbeitskräfte sei damit teilweise widerlegt, so die Leiter der Studie. Dennoch sind rund 40 Prozent der Praktika in Deutschland gänzlich unbezahlt. In vielen Branchen haben die Praktikanten somit kaum eine andere Wahl. Trotzdem ziehen sie für sich persönlich Nutzen aus der Mitarbeit.

Der durchschnittliche Verdienst liegt bei gerade einmal 290 Euro im Monat. Angesichts des hohen Anteils unvergüteter Praktika zeigt das, dass die Gehälter dort, wo es sie gibt, gar nicht mal so schlecht sind. Zu häufig aber müssen die angehenden Fachkräfte für lau arbeiten.

Tatsächlich, das zeigt die Studie, steigt die Zufriedenheit parallel zum Gehalt noch weiter. Die Arbeitszeit spielt für die Gesamtzufriedenheit hingegen eine geringere Rolle. Die wenigen, die angaben, pro Tag mindestens zehn Stunden gearbeitet zu haben, waren sogar anteilig am zufriedensten.

Nur selten bleibt der Kontakt bestehen

In den einzelnen Bewertungskategorien zeigt sich, dass Arbeitsatmosphäre und Betreuung besonders gut wegkommen. Auch mit der Wertschätzung der geleisteten Arbeit sind die meisten zufrieden. Das Zwischenmenschliche funktioniert also. Rund zwei Drittel waren zudem mit den übertragenen Aufgaben einverstanden.

Allerdings bezeichnet nur etwa die Hälfte der Teilnehmer das Praktikum als förderlich für den Berufseinstieg. Ebenso reißt der Kontakt zum Unternehmen nach der Mitarbeit oft schnell ab. Das viel gelobte "Vitamin B", der Aufbau persönlicher Kontakte zu möglichen Arbeitgebern, wird der Studie zufolge eher selten vermittelt.

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Große Unternehmen sind beliebter

Trotz der überwiegend positiven Bewertungen gibt es im nationalen Vergleich auch Verlierer. So ist der Anteil der zufriedenen Praktikanten in vielen Städten des Ruhrgebiets deutlich niedriger als anderswo. Des Weiteren sind die Praktikanten in großen Unternehmen, die regelmäßig Praktika anbieten, glücklicher als in Kleineren.

Hier geht es zur Infostrecke: Die Fakten zur Praktikanten-Studie

(anch)