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Pillen statt Kaffee: Gefährliches Gehirndoping

Pillen statt Kaffee : Gefährliches Gehirndoping

Düsseldorf (RPO). Pillen zur Leistungssteigerung: Immer mehr Schüler und Studenten greifen zum gefährlichen "Gehirndoping". Medikamente, die eigentlich zur Behandlung von Krankheiten gedacht sind, werden zweckentfremdet und zum Lernen genutzt. Doch Mittel wie Ritalin, das eigentlich bei Hyperaktivität eingesetzt wird, haben zum Teil schwere Nebenwirkungen.

Angesichts von Studiengebühren, Leistungsdruck und Angst vor Arbeitslosigkeit versuchen Studenten ihre Leistungsfähigkeit ständig zu steigern. Besonders die Lernphasen vor Prüfungen entwickeln sich oftmals zu Krisensituationen. Das soziale Leben findet nicht statt, die Ruhezeit wird kürzer und das Lernpensum mehr. Frühere Generationen von Studenten kochten sich in solchen Situationen eine Kanne Kaffee und hofften auf Besserung.

Heutzutage bieten sich Studenten jedoch mehr Möglichkeiten als nur eine koffeinhaltige Tasse Kaffee. Die vermeintlichen "Wundermittel" heißen Ritalin, Modafinil oder Anti-Depressiva. Alle eint die Tatsache, dass sie Medikamente zur Behandlung von Krankheiten und eigentlich nicht für gesunde Menschen gedacht sind. Trotzdem scheint die Versuchung groß zu sein, denn: Sie wirken auch bei gesunden Menschen, allerdings anders als bei den kranken. Sie können die Stimmung heben und die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigern. "Neuro-Enhancement" nennen Experten das - eine Art Doping fürs Gehirn.

Stimulanzien wie Ritalin werden eigentlich Kindern mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom und Hyperaktivität verschrieben. Bei ihnen wirkt das Mittel beruhigend, während es bei anderen die Konzentrationskraft steigert. Angeblich soll das Medikament auch das räumliche Vorstellungs- und das Lernvermögen verbessern.

Gefährliche Verlockung

Das klingt verlockend. Doch was so einfach scheint, hat nicht selten schwere Nebenwirkungen. Bei gesunden Menschen können einzelne Medikamente zu Bluthochdruck, Depressionen und sogar Herzrhythmusstörungen führen. Zwar ist die Einnahme solcher Mittel in Deutschland nur auf Rezept möglich, im Internet lässt sich allerdings vieles auch ohne Verschreibung besorgen.

Viele Studenten lassen sich davon nicht abschrecken. Vor allem in den USA betreiben die angehenden Akademiker systematisches Gehirndoping. Die neuropsychologische Abteilung der Universität in Pennsylvana geht davon aus, dass bereits jeder zehnte Student regelmäßig zu Leistungsförderern greift. Laut verschiedener Studien "dopen" sich 16 bis 25 Prozent der Studenten regelmäßig vor Prüfungen.

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Auch in Deutschland wird das Problem immer größer. Zwar gibt es noch keine konkreten Untersuchungen, aber viele Studenten nehmen die Mittel nach Einschätzung von Experten bereits ein. Im Vergleich zu den USA sind die Zahlen hierzulande auch deswegen niedriger, weil man die Medikamente nicht rezeptfrei in normalen Apotheken bekommt, sondern nur im Internet. Anscheinend stieg der Verkauf von Medikamenten für das Gehirn in Internetapotheken in den letzten Monaten sprunghaft an. Experten wie der Magdeburger Neurobiologe Professor Henning Scheich erwarten in den nächsten Jahren eine deutliche Zunahme des Gehirndopings.

Käme es zu einer Legalisierung solcher leistungssteigender Mittel, sieht der Neurologe Professor Stefan Knecht von der Universität Münster einen bedenklichen Trend: "Wenn Mittel freigegeben werden, würden diese von vielen wahrscheinlich auch genutzt." Falsch eingesetzt besitzen die Pillen jedoch keine Wirkung, sondern mindern stattdessen die Leistung.

Trotz zahlreicher Medikamente sieht Professor Knecht nur eine Option: "Der beste Lernverbesserer ist und bleibt Kaffee."

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