Studenten-Leben: Festschriften sind die Crème de la Crème der Fußnoten

Studenten-Leben : Festschriften sind die Crème de la Crème der Fußnoten

Einmal jährlich lässt ein Sachverhalt Kommilitonen zu Konkurrenten werden und ihr gutes Benehmen vergessen. Es ist kurz vor acht Uhr , und wir haben eine Hausarbeit zu schreiben. Der Mann hinter der Glasscheibe starrt uns feindselig an. Er ist ganz Hausherr der juristischen Bibliothek. Seine heiligen Hallen dürfen seit kurzem nur noch mit durchsichtigen Plastiktüten als Taschenersatz betreten werden. Wer statt klaren Wassers aus Versehen aromatisierten Sprudel mitnehmen möchte, steht kurz vorm Hausverbot.

Doch es hilft alles nichts, um acht Uhr muss er uns die Türen öffnen und gestatten, dass wir in die Räume einfallen. Und da stürmen auch schon die Ersten los, sind sich tatsächlich nicht zu schade, zu den Regalen zu rennen. Und das alles nur, um die aktuellsten Auflagen von Gesetzeskommentaren und Lehrbüchern zu ergattern. Aber eigentlich darf ich mir keinen Spott erlauben, schließlich bin ich selbst mittendrin auf der Jagd nach einer Festschrift.

Keiner weiß genau warum, aber jene Bücher, von Professoren für Professoren geschrieben, gelten als die Crème de la Crème der Fußnoten. Logisch also, dass auch ich mein Literaturverzeichnis entsprechend schmücken möchte. Doch wie schon in den letzten Tagen klafft an der Stelle im Regal eine Lücke. Ich werde skeptisch, denn von den Älteren wissen wir, dass die ganz besonders Eifrigen Festschriften auch unter den Regalen verschwinden lassen.

Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und frage nach. Bei dem Mann hinter der Glasscheibe natürlich. Schließlich kostet das Objekt meiner Begierde rund 300 Euro. Doch ich werde nur müde angeblafft: "Wenn die Festschrift nicht da steht, wo sie hingehört, ist sie wohl feiern gegangen."

(RP)
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