Studentenleben : Ferien zum Innehalten

Ferien sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Sie sind zwar länger geworden, mindestens zwei Monate am Stück, unvorstellbarer Luxus für Schulkinder. Aber schon die Dauer sollte skeptisch machen. Zwei Monate lang nur Freizeit? Das kennt nur eine Minderheit der Studierenden. Meistens wird übermäßiger Freizeit rechtzeitig vorgebeugt, durch Hausarbeiten oder Klausuren am Ferienende zum Beispiel. Vorlesungsfreie Zeit eben, oder: Ferien für Fortgeschrittene.

Eine Freiheit haben wir allerdings: An welchem Ort wir unsere Aufgaben erledigen, spielt keine Rolle. Also auf in die Heimat, wo Familie und eine ungewohnt große Essensauswahl im Kühlschrank warten. Der eigene Schreibtisch ist mitausgezogen, also sitzt man am heimatlichen Wohnzimmertisch und lernt für Prüfungen. In unregelmäßigen Abständen kommen Familienmitglieder vorbei und schauen sich die ausgebreiteten Bücher und Notizen an. Manchmal folgt die existenzielle Frage: "Und was bringt das?" Der Tunnelblick beim Hinarbeiten auf die nächste Klausur oder Deadline lässt diese Frage gerne ausblenden. Alltagsrelevant sind unsere Arbeiten meistens nicht. Aber wir haben eine gewisse Freude an unseren Fächern, die wir nicht ohne Grund gewählt haben. Das lässt der Tunnelblick manchmal vergessen. Statt von einem Seminar zum nächsten zu hetzen, können wir in den Semesterferien einen Schritt zurücktreten und uns anschauen, was wir überhaupt machen. Und warum wir es machen. Ferien für Fortgeschrittene eben.

(RP)