Studenten-Leben: Einsamer Ruf nach Regeln

Studenten-Leben : Einsamer Ruf nach Regeln

Das hat es in meinen drei Semestern noch nicht gegeben: Zwischen Hörsaal, Mensa und Bibliothek ist plötzlich Hochschulpolitik ein Thema geworden. Genauer: Die neuesten Vorstöße unseres Studierendenrates, kurz "StuRa". Diesen Rat dürfen wir zwar wählen, doch zu den Urnen schaffen es im Sommer die allerwenigsten. Ihre Stimme geben eigentlich nur die ab, die ständig meinen, die Uni wolle ihnen Böses. So kommt es, dass in unserem StuRa größtenteils Studenten sitzen, die ihre Regelstudienzeit bald um ein Doppeltes überzogen haben und allesamt auf Krawall gebürstet sind. Und eben diese Abgeordneten wollen jetzt knapp 30 000 Euro für Rechtsmittel ausgeben, um notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht mit ihrer Klage vorzudringen, dass Anwesenheitspflicht den Studenten in seiner Ausbildungsfreiheit verletzt. Damit hat der StuRa die Sympathie der meisten ausnahmsweise auf seiner Seite, und mit Blick auf andere Unis zeigt sich, dass er sogar Erfolg haben könnte. Nur die Juristen entrüsten sich über dieses Ansinnen; auch das Studium müsse nach bestimmten Regeln verlaufen. Das ist deshalb ein interessantes Argument, weil sich bei uns keiner um unsere Anwesenheit schert.

Sicher macht Anwesenheitspflicht Sinn in Kolloquien, Laborpraktika und vergleichbaren Modulen. Doch welche Vorlesung den Studenten weiterbringt, sollte er selbst bestimmen dürfen. Natürlich werden manche sich dann gar nicht mehr blicken lassen. Aber das ist besser, als wenn sie durch Handygeräusche oder Schnarchen stören.

(RP)
Mehr von RP ONLINE