Erstes Zentrum in Tübingen eröffnet Ein Studium rund um den Islam

Tübingen · Es ist das erste Institut seiner Art, das an diesem Montag in Deutschland eröffnet wird. In Tübingen wird nun auch offiziell das Fach Islamische Studien unterrichtet. Das neue Zentrum für Islamische Theologie will vor allem eins: Imame ausgewogen ausbilden, wie der Direktor der Universität sagt.

 Eine Studentin im Zentrum für Islamische Theologie an der Uni Tübingen widmet sich dem Bücherstudium.

Eine Studentin im Zentrum für Islamische Theologie an der Uni Tübingen widmet sich dem Bücherstudium.

Foto: dpa, Franziska Kraufmann

Islamisches Recht, Islam in der Moderne oder auch Islamische Religionspädagogik stehen auf dem Stundenplan. Acht Semester dauert der Bachelorstudiengang, 36 Studenten haben sich für den ersten Durchgang, der bereits im Wintersemester 2011/2012 begonnen hatte, angemeldet.

Die Zeit sei "mehr als reif", endlich auch in Deutschland Imame auszubilden, sagt der Rektor der Universtät Tübingen, Bernd Engler im Deutschlandfunk. Denn schließlich gibt es seit Jahren Forderungen nach der Einführung eines flächendeckenden islamischen Religionsunterricht. Und NRW will dieses Fach denn auch als erstes einführen. Was fehlt, sind aber gut ausgebildete Lehrer - und zwar um die 2000. Das soll sich nun ändern.

Ein Islam mit vielen Facetten

Denn Tübingen ist nur einer von vier Standorten, an denen in Zukunft Islamische Studien unterrichtet werden sollen. Münster/Osnabrück, Frankfurt/Gießen und Nürnberg-Erlangen werden noch folgen. Angesprochen werden sollen Pädagogen, die an Gymnaisen islamischen Religionsunterricht abhalten, aber eben auch Imame, wie Engler im Deutschlandfunk verriet.

"Wir wollen unseren Studierenden eine möglichst breite, sehr ausgewogene Ausbildung in allen Facetten der islamischen Theologie bieten, wie etwa auch in den christlichen Theologien", so Engler in dem Interview. Und er betont, dass es in der Lehre vor allem um einen pluralen Islam gehe, der sehr viele Facetten hat. Dadurch werde man "auch den Studierenden eine gewisse Liberalität mit auf den Weg geben".

Auch das Bildungsministerium steht voll und ganz hinter dem Projekt. Die vier Zentren sollen mit rund 20 Millionen Euro über fünf Jahre gefördert werden, heißt es auf der Webseite des Ministeriums. Dort wird auch betont, dass der Religionsunterricht eine wichtige kulturell und theologische Orientierungshilfe biete. "Er vermittelt Ethik und Moral und fördert die Identitöätsfindung."

Ein Professor für zunächst 36 Studenten

Engler betont zudem, dass man die Ausbildung bislangb eher anderen Ländern überlassen habe. Dabei gehören die Muslime und ihr Glauben zu einer großen Gruppe in der Bundesrepublik. Kritik, dass sich der Islam dadurch weiter in Deutschland ausbreiten könne, sieht Engler nicht.

"Ich glaube eher, dass es ein Anzeichen dafür ist, dass wir die religiösen Empfindungen der Muslime etwas ernster nehmen, als wir es in den Jahren zuvor getan haben." Und er denkt auch, dass diese neue Studienrichtung beim Abbau von Vorurteilen helfen könnte.

Dafür sorgen wird nun Dr. Omar Hamdan, der das Zentrum seit Oktober leitet. Zwei bis vier (Junior-)Professuren könnten folgen, wie es auf der Webseite der Universität heißt. Hamdan selbst ist gebürtiger Israeli, wie die "Stuttgarter Zeitung" vor einiger Zeit schrieb. Er ist sunnitischen Glaubens und hat 1995 in Tübingen promoviert.

(das)
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