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Duales Studium oder Ausbildung: Für wen sich was lohnt

Ausbildung oder Studium : Worauf es beim dualen Studium ankommt

Ausbildung oder Studium? Oder einfach beides. Das duale Studium kombiniert in seiner Urform einen Bachelor-Abschluss mit einem Gesellenbrief. Dennoch muss man bei der Auswahl genau hinschauen.

Es ist die ideale Kombination für alle, die sich nicht zwischen Theorie und Praxis entscheiden können oder wollen: das duale Studium. Es kombiniert klassischerweise eine Ausbildung in der Industrie, im Handel oder im Handwerk mit einem Bachelor-Studium in den Ingenieur- oder Wirtschaftswissenschaften, inzwischen gibt es auch Angebote im sozialen oder medizinisch-pflegerischen Bereich. „Ganz wichtig ist: Ich habe einen regulären Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen, das mir auch das Ausbildungsgehalt zahlt“, erklärt Karin Wilcke, Studienberaterin aus Düsseldorf. „Gleichzeitig durchlaufe ich ein Bachelor-Studium an einer Hochschule.“ Der Vorteil dieser Kombination: Das Jobben fällt weg, das in der Hochschule gelernte Wissen kann im Betrieb direkt angewendet werden. Und: Die Jobaussichten sich gut, da die dualen Studierenden meist nach dem Studienabschluss von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen werden, wenn sie dies wünschen. Schließlich haben sie auch bewiesen, dass sie einer Doppelbelastung standhalten können. 

Wie das duale Studium aufgebaut ist, also wie genau sich Theorie und Praxis abwechseln, ist je nach Hochschule unterschiedlich. An der Hochschule Niederrhein beispielsweise ist der duale Studiengang Lebensmittelwissenschaften, der mit einer Ausbildung zur Süßwarentechnologin/zum Süßwarentechnologen oder zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik kombiniert wird, wie folgt ausgebaut: Im ersten Jahr sind die dualen Studierenden komplett im Betrieb. Dann folgen zwei Semester Vollzeit-Studium, anschließend wieder ein Jahr im Betrieb plus Abschlussprüfung. Es schließen sich zwei weitere Jahre an der Hochschule bis zum Bachelorabschluss an. Die vorlesungsfreie Zeit steht grundsätzlich für die schulische Ausbildung und für Arbeiten im Ausbildungsbetrieb zur Verfügung.

 „Das duale Studium ist extrem erfolgreich und viele große und mittelständische Unternehmen in der Region bieten es in Kooperation mit den hiesigen Hochschulen an“, sagt Karin Wilcke. „Oft werden vor allem Bewerber mit sehr gutem Abitur ausgewählt, und man muss sich sehr rechtzeitig bewerben – bei namhaften Unternehmen oft schon ein Jahr im Voraus.“

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 Eine andere Variante des dualen Studiums wird von einigen großen privaten Hochschule angeboten: Dabei sind die Studierenden fünf Tage die Woche im Betrieb und studieren abends und am Wochenende. Dafür bekommen sie eine Ausbildungsvergütung und der Betrieb übernimmt die Kosten für das Studium, die an einer privaten Hochschule immer anfallen. „Problematisch bei diesem Modell sind die Doppelbelastung und die sehr wenige Freizeit“, sagt Karin Wilcke. „Da habe ich schon einige überforderte junge Menschen in meiner Beratung gehabt.“

 Die Studienberaterin mahnt zur Vorsicht bei Angeboten, bei denen die Studierenden selbst Geld bezahlen sollen, oder bei denen das duale Studium gar keine abgeschlossene Berufsausbildung umfasst. „In dem Moment, wo ich nur Praxisphasen habe, die womöglich auch noch unbezahlt sind, und keinen Abschluss vor der IHK oder Handwerkskammer, sollte ich doch sehr genau hinschauen. Denn dann macht es mehr Sinn, einen ,normalen’ Bachelor zu machen, und nebenbei als Werkstudent zu jobben.“ Auch müsse man bei privaten Angeboten kritisch prüfen, was für einen Bachelor man dort erwerbe, und ob dieser in der Berufswelt überhaupt anerkannt sei. „Schwierig ist es auch, wenn ich zwar ein Ausbildungsgehalt bekomme, davon aber Studiengebühren bezahlen muss.“

 Grundsätzlich rät Karin Wilcke Abiturienten dazu, sich im Zweifel für eine Ausbildung zu entscheiden und dann ein Studium anzuhängen, falls sie keinen Ausbildungsplatz in der Urform des dualen Studiums mit Gesellenprüfung und anerkanntem Bachelor-Abschluss bekommen. Und man solle nicht nur deshalb in ein duales Studium zu gehen, weil man vor einer reinen Ausbildung zurückschreckt: „Ich höre oft, dass man sich ja nicht durch 13 Jahre Schule und das Abi habe quälen müssen, um dann ,nur’ eine Ausbildung zu machen. Auch von Eltern. Das ist absoluter Quatsch. Die Ausbildungsbetriebe haben großes Interesse an Abiturienten, weil sie etwas reifer sind und mehr Wissen, etwa in Mathematik, mitbringen. Und nach drei Jahren Ausbildung haben die jungen Erwachsenen oft eine viel bessere Vorstellung von ihrer beruflichen Zukunft. Sie studieren dann wesentlich zielgerichteter.“

 Ein weiteres Problem des dualen Studiums: Es ist ein Erststudium, egal, ob es an einer staatlichen oder privaten Hochschule absolviert wurde. „Das bedeutet: Wenn ich eine Ausbildung zur Krankenschwester kombiniert mit einem Pflegewissenschafts-Bachelor mache, und ich möchte dann Medizin ‘draufsatteln, gelte ich als Zweitstudien-Bewerber. Und für die gibt es extrem wenige Studienplätze“, erläutert Wilcke. Dasselbe gelte für Ausbildungen im  öffentlichen Dienst, die mit einem Bachelor an der Verwaltungshochschule kombiniert würden. „Wer dann aber doch noch Jura studieren will, ist ebenfalls Zweitstudienbewerber. Und an die gehen nur ein bis zwei Prozent der verfügbaren Studienplätze bei zulassungsbeschränkten Fächern.“ Bedeutet: Je nach persönlichem Berufswunsch und möglichem Werdegang macht es Sinn, eine reine Ausbildung zu machen: „Habe ich also etwa eine reine Krankenpflege-Ausbildung, wird mir diese sogar als Wartezeit für mein Medizinstudium angerechnet“, so Wilcke.

 Der Weg zum dualen Studium geht übrigens so: „Ich suche mir erst mein Ausbildungsunternehmen aus und schaue, ob ich dort meine Ausbildung mit einem dualen Studium kombinieren kann. So ist es bei vielen staatlichen Hochschulen auch ausdrücklich gewünscht“, sagt die Expertin. Dort bewerbe man sich in der Regel zwischen Mai und Juli mit dem unterschriebenen Ausbildungsvertrag um einen Studienplatz. „Über die Jobbörse der Arbeitsagentur kann man nach Ausbildungen suchen, die mit einem Studium kombiniert sind. Habe ich einen Betrieb gefunden, bei dem ich die Ausbildung machen möchte, wird nach einer Hochschule gesucht. Und große Unternehmen wie Henkel oder Bayer kooperieren seit Jahren mit bestimmten Hochschulen.“