Studenten-Leben : Die Stille am Morgen

Vorlesung um 8.30 Uhr. Das Highlight der Woche. Da braucht es schon drei Wecker, bis man aus den Federn ist. Einen um sieben Uhr, einen um 7.05 und einen um 7.10 Uhr, aufstehen steht aber erst für 7.30 Uhr auf dem Plan. Für ein ausgiebiges Frühstück ist dann keine Zeit mehr, kann man ja auch nach der Vorlesung erledigen. So lange schlafen wie nur möglich ist die Devise, das erinnert an die Schulzeit. Schön, dass ich jetzt aber nicht mehr jeden Wochentag so früh aufstehen muss.

Unglaublich, wie man das die letzten zwölf Jahre geschafft hat - und die ersten acht davon ohne Koffein am Morgen. Den brauchte man aber auch noch gar nicht, die Stimmung im Klassenzimmer hat uns immer wachgerüttelt - spätestens nach dem ersten mit einem Speichelfilm überzogenen Papierkügelchen, das, aus einem Strohhalm in der letzten Reihe geschossen, einen am Hinterkopf traf. In Hörsälen schlägt mir dagegen gähnende Stille entgegen. Die Kommilitonen befinden sich in einer Phase des Wachschlafs, in Gedanken sind sie noch bei der Feier vom Vorabend oder der wohligen Wärme des Bettes.

Da vermisst man glatt die Papierkügelchen. Eine Idee hätte ich da aber, um die frühe Vorlesung wach zu überstehen: eine Strichliste, auf der ich die Zahl der zugefallenen Augenpaare und der vom Tisch gerutschten Ellbogen um mich herum dokumentiere. Stelle ich mir amüsant vor. Und gesünder als der dritte Kaffee am Morgen ist das auf jeden Fall.

(RP)
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