Studenten-Leben : Die Blicke der Jungs

Mit den Jahreszeiten ändert sich das Balzverhalten. Im Winter ist die Bibliothek gerade für die Jungs ein hervorragender Ort, Bekanntschaften zu schließen. Sobald ein Mädchen scheinbar hilflos vor einem Regal steht und nicht an die oberste Reihe kommt, hechten sie herbei und spielen den starken großen Mann. Das ist sehr süß, wenn auch oft ärgerlich, denn das gespielt Hilflose gilt selten unseren Kommilitonen, sondern eher den älteren Semestern. Aber jetzt, im Sommer, bleiben sie ohnehin ruhig auf ihren Plätzen. Lieber riskieren sie mal einen Blick, wenn sich wieder eine im kurzen Sommerkleidchen auf die Zehenspitzen stellt und sich reckt. Ansonsten haben sie andere Jagdreviere und entfalten dabei eine Kreativität wie sonst das ganze Semester über nicht.

Sie nutzen die Studiengänge aus, in denen am Ende des Semesters noch Klausuren geschrieben werden, in denen die Vorlesungen im Gegensatz zu unseren also noch gut besucht sind. Und plötzlich sind die Hörsäle in den Psychologie- und Romanistikvorlesungen voll von aufmerksam umherschauenden Studenten. Und tatsächlich: Unsere Jungs haben dort oftmals Erfolg.

Klar, die männliche Konkurrenz ist ja auch denkbar gering. Natürlich könnten wir Mädels uns auch zu den Sportlern setzen, die unseren Kommilitonen in vornehmer Bibliotheks-Blässe und mit Muscleshirts ohne Muskeln an den Armen grundsätzlich ein Dorn im Auge sind. Aber wir sind uns für solche Spielchen erstens zu schade, zweitens haben wir das gar nicht nötig. Sich ab und an für die Mittagspause rein zufällig auf der Wiese zu treffen, wo besagte Studenten gerade auch rein zufällig trainieren, ist da ja etwas ganz anderes.

(RP)