Studenten-Leben: Diagnose: Bloß ein Geschichtsstudent

Studenten-Leben : Diagnose: Bloß ein Geschichtsstudent

Machen wir uns nichts vor: Es gibt Berufe, die eignen sich eher dazu, beim ersten Kennenlernen zu beeindrucken. Ärzte, Anwälte und Piloten etwa sind nicht nur die Helden in Filmen und Serien, sondern auch bei jeder Party der Mittelpunkt der Gespräche. Als Student hat man es da im Nachtleben schon schwerer. "Ich bin im sechsten Semester" dürfte schließlich den wenigsten Angebeteten Röte ins Gesicht getrieben haben. Zwar haben auch Piloten, Anwälte und Ärzte als Studenten angefangen - meist können sie aber selbst dann mit Geschichten aus den OP- und Gerichtssälen der Nation aufwarten. Wer als Geschichtsstudent auf Braut- oder Bräutigamschau geht, muss sich dagegen etwas einfallen lassen. Selbst wenn die Chemie zwischen beiden Nachtschwärmern bisher stimmte: Antwortet man auf die Frage nach seinem Studiengang mit "Geschichte", in meinem Fall sogar "Mittelalterliche Geschichte", folgt meist betretenes Schweigen. Fängt man dann auch noch an, über seine Bachelor-Arbeit und die Heiligenverehrung Karls des Großen im 10. Jahrhundert zu sprechen, huscht manchmal nicht weniger als blankes Entsetzen über das Gesicht der eben noch Turtelnden. Diagnose: Geschichtsstudent. Da kann man ja gleich aufzählen, welche Allergien man hat.

Doch woran es auch immer liegen mag, dass die Erforschung der größten Helden und Schurken, Dramen und Kriege, Frauen und Männer der Menschheit beim Flirtfaktor den Langweiler-Stempel aufgedrückt bekommt: Bücherwürmer und Bibliothekenstürmer dürfen sich nicht unterkriegen lassen.

Fürs Erste reicht es auch, am Thema der nächsten Arbeit zu drehen. Wenn mich jemand nach dem Thema meiner Masterarbeit fragt, kann ich jetzt endlich sagen: "Wikinger. Wie im Fernsehen." LUDWIG KRAUSE

(lukra)
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