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Corona-Abitur: Hochschulen bieten Brückenkurse vor den Studienstart

Start nach dem Corona-Abitur : Wie Unis Abiturienten mit Corona-Lücken helfen

Für manchen Absolventen im Abiturjahrgang 2021 bedeutet die Corona-Pandemie einen erschwerten Start ins Studium. Die Hochschulen bieten schon jetzt Brückenkurse, um etwaige Lücken zu schließen.

Sie hatten in der Jahrgangsstufe zwölf mehrere Monate keinen Präsenzunterricht, das digitale Lernen klappte vielerorts nicht, und auch die wichtigen Monate vor den Abiturklausuren fielen in diesem Jahr in eine unstete Zeit des Distanzlernens. Wichtiger Unterrichtsstoff blieb auf der Strecke, Stoff, der gegebenenfalls eine entscheidende Grundlage für das spätere Studium gebildet hätte. Viele Abiturienten sorgen sich: Haben sie Wissenslücken? Können sie das Wunschstudium überhaupt bewältigen? Und bekommen sie mit ihrem „Corona-Abitur“ überhaupt einen Studienplatz? Mit einem aktuellen „Check“ nimmt das CHE Centrum für Hochschulentwicklung den Studieninteressierten einen Teil dieser Sorgen. Dieser zeigt: zwei Drittel aller Hochschul-Fachbereiche bieten bereits jetzt Vor- oder Brückenkurse an, um noch vor Studienbeginn mögliche Wissenslücken zu schließen. Eine weitere gute Nachricht: Die Dominanz der Abiturnote beim Bewerbungsverfahren um einen Studienplatz nimmt weiter ab.

Mit sogenannten Brücken- oder Vorkursen können Erstsemester seit Jahren schon Wissenslücken vor dem Studienstart schließen. Das CHE-Format „Check zum Hochschulzugang und Studieneingang“ in Deutschland zeigt, dass 67 Prozent aller Fachbereiche an den Hochschulen Vor- oder Brückenkurse anbieten. In Fächern wie Physik, Informatik oder Maschinenbau, die Mathematikkenntnisse zwingend voraussetzen, gibt es das Auffrischungsangebot nahezu flächendeckend. Darüber hinaus bieten rund drei Viertel aller Hochschul-Fachbereiche in Deutschland Kurse an, um Kompetenzen zu erwerben, die man für das jeweilige Studium braucht. Dies können auch Seminare zum Zeit- und Selbstmanagement sein.

„Es besteht die Sorge, dass nach einem Jahr Ausnahmezustand an den Schulen Corona-bedingte Unterrichtslücken vorhanden sind. Aber die Hochschulen lassen die diesjährige Generation von Abiturienten und Abiturientinnen nicht allein. Sie bieten ihren neuen Studierenden in vielen Fächern eine sehr gute Unterstützung am Studienanfang, damit das Studium gelingt“, erläutert Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE Centrum für Hochschulentwicklung. „Die Abiturienten sollten trotz zahlreicher Corona-Einschränkungen im vergangenen Schuljahr keine Angst vor einem Start ins Studium haben. Etwaige Wissenslücken können vor oder während des Starts ins Studium noch an den Hochschulen geschlossen werden. Die deutschen Hochschulen verfügen über ein breites und flächendeckendes Unterstützungsangebot für Erstsemester, das die komplette Einstiegsphase ins Studium abdeckt. Dies ist gerade bei der heutigen Vielfalt der Bildungsbiografien am Campus eine richtige und wichtige Entwicklung.“

Mehr als die Hälfte aller befragten Fachbereiche gibt an, während der ersten Semester neben Brückenkursen auch individuelle Beratungs- und Unterstützungsangebote in Form von Koordinatorinnen, Tutorinnen oder Mentorinnen zur Verfügung zu stellen. Frühwarnsysteme, die zu Beginn des Studiums greifen, um einen späteren Abbruch zu vermeiden, sind laut CHE an einigen Hochschulen bereits eingeführt, aber noch nicht flächendeckend etabliert.

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Dass sie sich in den ersten Semestern auch in Corona-Zeiten gut betreut gefühlt haben, bestätigen auch die Studierenden an den NRW-Hochschulen, so das Ergebnis des aktuellen CHE Hochschulrankings. In allen diesmal untersuchten Fächern (darunter Biologie, Chemie, Geografie,  Mathematik, Medizin, Physik, Politikwissenschaft, Sport und Zahnmedizin) bekommen etwa die Studienanfänger an der RWTH Aachen eine sehr gute Unterstützung am Studienanfang. Auch die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat bei den Studierenden gut abgeschnitten: Insbesondere im Bereich der Studienorganisation – ein entscheidender Aspekt gerade während der Coronakrise, die sowohl die Universitäten als auch ihre Studierende vor ganz neue Herausforderungen stellte – bewerteten die Befragten ihre Fächer sehr gut. „Besonders stolz macht uns, dass die HHU-Studierenden sich in der Studienanfangsphase gut unterstützt fühlen“, betont Christoph Börner, Prorektor für Studienqualität und Lehre. 

Übrigens: Sollte das Corona-Abitur bei dem ein oder anderen schlechter ausgefallen sein, als erhofft, gibt es eine beruhigende Nachricht. Beim Thema Hochschulzugang hat sich die Situation für Studieninteressierte insgesamt verbessert, so das CHE. So war im Wintersemester 2013/14 noch mehr als jeder zweite Bachelorstudiengang (52 Prozent) mit einer Zulassungsbeschränkung versehen. Im vergangenen Wintersemester 2020/21 sank diese Zahl aber deutlich, inzwischen sind nur noch für 42 Prozent der Studiengänge mit einem Numerus Clausus (NC) belegt. Das bedeutet im Umkehrschluss: In viele Fächer in Deutschland können sich Abiturienten ganz ohne Noten-Hürde einschreiben, oder sie können durch persönliche Gespräche und fachspezifische Wissenstests überzeugen.

Kunst- oder Musikhochschulen setzen fast flächendeckend Eignungsprüfungen zur Feststellung der speziellen Eignung für die künstlerischen Fächer ein. Eine digitale Variante der Eignungstests, sogenannte Self-Assessments, nutzen bereits 40 Prozent aller Fachbereiche. Hierbei können Studieninteressierte durch Online-Selbsttests herausfinden, ob sie die Anforderungen für ein Studium im gewünschten Fach erfüllen.  „Die Dominanz der Abiturnote bei der Bewerbung um einen Studienplatz nimmt immer weiter ab“, sagt Cort-Denis Hachmeister, Experte für Hochschulzugang beim CHE. „Bei rund 60 Prozent aller Bachelorstudiengänge spielt die Abiturnote bei der Einschreibung mittlerweile keine Rolle mehr. Und auch bei der Vergabe von Medizinstudienplätzen haben andere Faktoren wie Eignungstests oder Praxiserfahrung an Gewicht gewonnen.“ Hachtmeister begrüßt diese Entwicklung. Schließlich erlaube auch die beste Abiturnote nur eine begrenzte Vorhersage des Studienerfolgs sowie für die Eignung des anschließenden Berufes.