Köln: Computerspielen als Studienfach

Köln: Computerspielen als Studienfach

An der Technischen Hochschule Köln gibt es seit 2014 das Fach "Digital Games". Studenten lernen darin, wie sie ihr eigenes Spiel entwickeln können. Zum Wintersemester wird es nun erstmals auch einen Master geben.

Wenn György Droste anderen erzählt, dass er "Digital Games" studiert, gibt es zwei Reaktionen. "Die einen sagen, das bringt sicher viel Geld. Dann gibt es noch die, die nichts mit dem Fach anfangen können und es unterschätzen. Es kommt drauf an, wie alt die Leute sind."

Der 23-Jährige studiert an der Technischen Hochschule Köln ein Fach, in dem Videospiele entwickelt werden. Gerade arbeitet er an seinem Bachelorprojekt. Danach möchte er gerne einen Master anschließen. Der wird ab dem Wintersemester an der TH Köln angeboten: Noch bis Ende März können sich Interessenten für eine Eignungsprüfung anmelden. Voraussetzung ist ein Bachelorabschluss in einem Fach, das eng mit digitalen Spielen verknüpft ist. Außerdem brauchen die Teilnehmer gute Fremdsprachenkenntnisse - denn der Studiengang ist international ausgelegt. Gelehrt wird auf Englisch.

Auch der Bachelorstudiengang "Digital Games" ist an der Technischen Hochschule Köln noch recht jung. Seit 2014 gibt es das Institut in Köln, das sich "Cologne Game Lab" nennt. "Die Studierenden können sich bei uns in drei Bereichen spezialisieren", erzählt Institutsdirektor Björn Bartholdy. Da wäre einmal das "Game Design" - dazu gehört die Konzeption eines Spiels, das Entwickeln einer Geschichte. "Game Artists" kümmern sich um die visuelle Umsetzung, also wie die Charaktere und Welten im fertigen Spiel aussehen sollen. Im Zweig "Game-Programmierung" geht es um die technische Umsetzung. "Die Studierenden belegen in den ersten beiden Semestern erst einmal alles", sagt Björn Bartholdy, "die eher künstlerisch Veranlagten schreiben Codes, und die Coder lernen visualisieren." Trotz Spezialisierung sei es wichtig, dass die Studierenden auch die Sprache der anderen Disziplinen sprechen, um die Zusammenhänge zu verstehen.

"Eines haben die Studierenden alle gemeinsam, sie brennen für das, was sie tun", sagt Bartholdy. So etwa Leonie Wolf. Sie ist 24 Jahre alt, hat vorher Japanisch und Jura studiert, ehe sie an das "Cologne Game Lab" kam. Schon immer sei ein Bezug zu Videospielen da gewesen. "Ich habe gerne gezockt, die Konsole war immer ein Teil der Freizeitbeschäftigung", sagt sie. Nun hat sich die 24-Jährige auf den Bereich "Games Artist" spezialisiert. "Mich fasziniert, dass ich dabei eigene Welten entwickeln kann. Für mich sind Videospiele eine Kunstform, ein Medium, mit dem ich mich kreativ ausdrücken kann", erzählt sie. Und Studienkollege György Droste betont, dass nicht nur der Entwickler sich ausleben kann, sondern auch der Spieler - "was er aus dem Spiel macht, haben wir dann nicht mehr in der Hand, es ist nicht wie ein Film, den man einfach passiv konsumiert".

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Björn Bartholdy bestätigt das: "Videospiele können viel mehr sein als das, was die meisten im Kopf haben. In ihnen verbergen sich auch Kulturtechniken, Literaturanspielungen, aber auch Filmelemente und Musik. Es ist ein sehr reiches Metier." Und so lernen die Studierenden neben Programmieren und Designen auch allerhand Theorie: Ökonomie, Medienwissenschaften, Psychologie und Sozialwissenschaften gehören dazu. "Manchmal ächzen die Studierenden darüber und fragen sich, warum sie denn Theorie lernen müssen, obwohl sie doch Spiele entwickeln wollen." Ziel sei, den künstlerisch wissenschaftlichen Anspruch im Studium zu erwerben. "Seit meinem Studium ist mir klar geworden, wie viel Arbeit in Videospielen steckt", sagt Leonie Wolf. Wenn sie nun privat spielt, analysiert sie den Aufbau der Spiele - eine Berufskrankheit.

In jedem Semester haben die Studierenden neben gewöhnlichen Prüfungen ein Projekt, in dem es darum geht, einen Spiele-Prototypen zu entwickeln. "Das muss kein komplett fertiges Spiel sein", sagt Bartholdy. Dazu finden sich die Studierenden in Teams zusammen, so dass alle drei Disziplinen, die Designer, Artists und Programmierer, in einem Team vertreten sind. In der praktischen Phase, da sind sich die drei Studierenden einig, lerne man am meisten. "Wir lernen hier nicht nur Hard Skills", sagt Utz Stauder. Gerade in den Gruppenarbeiten lerne man viel voneinander, überhaupt spiele das Netzwerken eine große Rolle. Einfach nur gerne Computerspiele spielen, reiche für den Studiengang nicht aus: Analytisches Denken, Reflexion, Kreativität und Teamfähigkeit seien ganz wichtig.

Derzeit studieren mehr als 200 Studierende den Bachelor "Game Design" in Köln. Um angenommen zu werden, müssen sie die Fachhochschulreife nachweisen. Dazu gibt es eine Aufnahmeprüfung: Interessenten reichen dafür eine Projektarbeit ein, bauen einen Prototypen oder schreiben ein Konzept. Dazu gibt es einen Theorietext, in dem das Reflexionsvermögen auf Englisch geprüft wird. Während sich die Studierenden im Bachelor nur auf einen Bereich spezialisieren, können sie im Master zwei Schwerpunkte wählen. Die Regelstudienzeit beträgt drei Semester, im dritten Semester liegt der Fokus auf einem eigenen Projekt, das die Teilnehmer alleine oder in der Gruppe entwickeln. Die meisten wollen danach in die Industrie gehen und die ganz großen Spiele entwerfen. Daneben gebe es aber auch einen großen unabhängigen Spielemarkt oder auch Spiele, die im Bildungskontext genutzt werden. "Andere können aber auch in angrenzende Bereiche gehen, die etwas mit digitalen Medien zu tun haben", sagt Bartholdy.

Und überhaupt: "Das coolste Erlebnis ist, wenn Leute dein Spiel spielen und anfangen zu lächeln, das ist immer wieder ein magischer Moment", sagt Student Utz Stauder.

(ubg)