Serie: NRW-Unis im Vergleich (5): Bochum bei Bologna ganz vorne

Serie: NRW-Unis im Vergleich (5): Bochum bei Bologna ganz vorne

Bochum (RP). Vor allem im Herbst und Winter kann die Ruhr-Universität Bochum mit ihrem äußeren Erscheinungsbild nicht gerade punkten. Zwar verfügt auch die RUB über einen Botanischen Garten und inzwischen wird eine Begrünung des Campus vorangetrieben, dennoch dominiert Beton die im Jahr 1962 (Aufnahme des Lehrbetriebs 1965) gegründete Universität. Viel wichtiger sind aber die inneren Werte - und die können sich durchaus sehen lassen.

Der Bologna-Prozess ist an der RUB so weit vorangeschritten wie nirgendwo sonst im landesweiten Vergleich. Von 150 Studiengängen insgesamt werden an der sechstgrößten Uni Deutschlands 54 Bachelor- und 78 Masterstudiengänge angeboten.

Nach dem Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) belegt die Ruhr-Universität Bochum im Bereich Psychologie sechs von sieben Spitzenplätzen und gehört dort genau wie in den Bereichen Mathematik, Soziologie und Chemie zu den forschungsstarken Hochschulen Deutschlands. Im Vergleich zu 2004 fiel die RUB in Physik und Geschichte jedoch aus der Spitzengruppe heraus.

Rund 32.700 Studierende (Wintersemester 2008/2009) zahlen in Bochum seit dem Sommersemester 2007 je 500 Euro Studiengebühren, addiert werden muss pro Semester noch der jeweilige Sozialbeitrag. Verwendet wird das Geld in erster Linie für Tutorienprogramme (70 Prozent). Außerdem werden unter anderem Renovierungsarbeiten, die Einrichtung/Erneuerung von Computerinseln, die Ausstattung der Bibliotheken oder Skripte und Lehrmaterial finanziert. Über die Verwendung der Gelder muss dem Rektorat gegenüber Rechenschaft abgelegt werden.

Besonders auf die Fahnen geschrieben hat sich die Ruhr-Universität Bochum die Kooperation mit außeruniversitären Firmen und Einrichtungen. Auf dem Campus selbst gilt das "Prinzip der kurzen Wege”. Verschiedene Disziplinen sind eng miteinander verknüpft. Das kompakte Hochschulgelände begünstigt diese Zusammenarbeit: So haben zum Beispiel die Chemiker auf dem Weg zu Maschinenbauern, Psychologen, Ingenieuren und Medizinern nur wenige hundert Meter Strecke vor sich.

Vernetzung und E-Learning

Auch jede der 50 Bibliotheken oder Kulturveranstaltungen (im Audimax der RUB befindet sich die mit 6.400 Pfeifen und 82 Registern größte Konzertsaalorgel in NRW) sind mit wenig Zeitaufwand zu erreichen. Das gilt ebenfalls für die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel: Vom Bochumer Hauptbahnhof benötigt die U-Bahn gerade einmal zehn Minuten zur Universität. Die RUB setzt konsequent auf Vernetzung und E-Learning. Über ein "Blackbord” werden Vorlesungen und Seminare durch Online-Kurse ergänzt. Mit VSPL baut die Uni außerdem ein campusweites System zur Verwaltung von Studien- und Prüfungsleistungen auf. Der Einstieg ins Studium soll mit Hilfe eines umfangreichen Beratungsportals und BORAKEL (Bochumer Online-Test für Studium und Beruf) erleichtert werden. Außerdem können Studierende sowohl vom Rechenzentrum als auch von zu Hause aus auf das Hochschulinterne Rechnernetz (HIRN) zugreifen.

Tutorien und Beratungen begleiten Studienanfänger, Prüfungskandidaten und angehende Absolventen während der gesamten Studienzeit. Unter dem Motto "Einblick” steht die Bochumer Universität auch Schülerinnen und Schülern während des gesamten Jahres offen. Nachwuchswissenschaftler haben die Möglichkeit, Veranstaltungen zu besuchen oder mit Hilfe von Projekttagen und Projektwochen erste Eindrücke des Wissenschaftlichen Arbeitens zu sammeln.

Besonderen Wert legt die RUB auch auf die Vereinbarkeit von Studium und Familie. Seit 2006 ist die Bochumer Universität unter anderem für Kinderbetreuung und E-Learning als "Familiengerechte Hochschule” zertifiziert.

Bei der Förderung von Projekten und Programmen durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) steht die RUB deutschlandweit auf Platz eins. Neben 350 Kooperationen mit europäischen Partneruniversitäten (von Finnland bis in die Türkei) lehren pro Jahr 300 Gastwissenschaftler aus aller Welt in Bochum. Ausgebaut werden sollen noch die Austauschbeziehungen insbesondere mit Nord- und Südamerika. Bei der Unterkunft können Studierende aus 32 Wohnheimen wählen, von denen die meisten inzwischen über einen Internetanschluss im Zimmer verfügen. Ansprechpartner in Sachen Campus-Wohnungen ist das Akademische Förderungswerk (AKAFÖ).

(RP)