Kolumne Studentinnenleben Flickflacks bringen es nicht

Düsseldorf · Wer sich sehr viele Aufgaben gleichzeitig zumutet, wird scheitern. Dabei sind Konzepte zum Zeitmanagement oft überraschend einfach.

 Antonia Trautmann studiert Philosophie und Rechtswissenschaften in Bonn.

Antonia Trautmann studiert Philosophie und Rechtswissenschaften in Bonn.

Foto: A. Trautmann

„Wenn du durch all deine Aufgaben gestresst bist, dann hast du die falsche Logistik.“ Boom, der Satz war raus. Meine Oma hatte schon immer einen pragmatischen und eher direkten Ansatz, wie sie ihr Leben führte.

Social Media und die Menge an Informationsstoff, die durch das Internet auf jüngere Generationen niederprasselt, kennt sie nicht. Seit ein paar Monaten achte ich darauf, in welchen Momenten und wie häufig ich auf mein Handy schaue. Ich erwische mich dabei, wie es zum Automatismus geworden ist, das rechteckige Gerät zu zücken. Der Bildschirm leuchtet auf, als würde ich darüber in Kürze die Erleuchtung erfahren. Eigentlich erhoffe ich mir aber nicht, dass meine persönliche Erleuchtung, falls es sie denn gibt, über eine E-Mail oder WhatsApp-Nachricht zu mir geflattert kommt. Darauf ein großes „X“.

Ich bin da schon eher die Typin: bei einer Wanderung auf einem Berggipfel stehen, in die Ferne blicken – und während ich noch schwer atme, breiten sich Glücksgefühle und Zufriedenheit in mir aus. Dann kann die Erleuchtung meinetwegen kommen; Sogar in Form eines Gewitters mit Blitzen und allem, als würde der oder die da oben sagen: „Bitte einmal wach werden.“ Das würde für mich ins Bild passen, zumindest eher als auf das 5,8-Zoll-Display meines Handys.

Die Nachrichtenflut prasselt also auf mich nieder, und manchmal weiß ich gar nicht, wohin mit mir. In meinem Kopf herrscht Wirrwarr. Mir wird schwindelig. Ich sehe noch keine Sternchen, so ist es nicht, aber meine Gedanken schlagen schon Flickflacks. Da diese akrobatischen Kunststücke bei falscher Technik und Ausführung zum Scheitern verurteilt sind, versuche ich dagegen einzulenken. Ich halte an und atme durch. Dabei atme ich etwa doppelt solange aus wie ein. Das soll laut Expertinnen und Experten optimal für den Sauerstoffhaushalt sein. Vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden ausatmen – und das elf Minuten lang. An der Dauer hapert es bei mir noch, aber ich sehe mich schon nach drei Abläufen dieses Atemrhythmus auf dem besten Wege.

Ein weiterer Schritt, um mentale Überschläge zu vermeiden: die realistische Zeitplanung. Wenn ich versuche, alles auf einmal zu machen, ist es ja klar, dass weder mein Körper noch mein Geist hinterherkommen. Handstand und Kopfstand gehen eben nicht gleichzeitig. Multitasking gibt es nicht – man frage die Neurowissenschaften. Aus diesem Grund gebe ich mir mehr Zeit, um das zu verarbeiten, was ich den ganzen Tag über erlebe und erledige. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung wirkt da Wunder. Ich lege das Tempo ein, bei dem mein Unterbewusstsein anklopft und sagt: „Hey, ich komme voll gut mit, und das macht richtig Spaß.“ Das Handy lasse ich häufiger in der Tasche, und die Gedanken dürfen ausklingen. Mal wieder Tagträumen – wer erinnert sich nicht gern daran?

Ich glaube, dass meine Oma das mit der richtigen Logistik meinte: realistische Zeitplanung ohne Flickflacks.

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