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Bafög, Stipendien und Darlehen: Nicht nur die Eltern können Geldgeber sein

Bafög, Stipendien und Darlehen : Nicht nur die Eltern können Geldgeber sein

Neben dem Bafög gibt es zahlreiche Stipendien und Darlehen zur finanziellen Unterstützung von Studenten. Eine Übersicht.

Nicht jeder hat Eltern, die ihn während des Studiums finanziell voll unterstützen können, und nicht jeder hat die Zeit, neben Vorlesungen, Abschlussarbeit und Co. noch jobben zu gehen. Bafög, Stipendien und Studiendarlehen können helfen. Wir erklären, welche Möglichkeiten es gibt.

Bafög Damit wieder mehr Studierende Bafög beantragen und erhalten, stieg der Förderungshöchstsatz jüngst von bisher 735 Euro auf 853 Euro – gleichzeitig dürfen das eigene Vermögen und das Einkommen der Eltern höher sein. Der Vorteil am Bafög: Man muss nur einen kleinen Teil der Förderung zurückzahlen – und das Darlehen ist zinsfrei. Heißt: Erhalten Studierende beispielsweise für sechs Semester Bachelor- und vier Semester Master-Studium rund 51.660 Euro Bafög, müssen sie mit maximal 10.010 Euro nur ein Fünftel zurückzahlen. Und die Rückzahlung beginnt erst fünf Jahre nach der letzten Förderung und ist in Raten möglich. Ein Antrag lohnt sich immer: Denn selbst wenn man nur eine vergleichsweise geringe monatliche Förderung erhält, kann diese das Studieren erleichtern, weil man dann zum Beispiel weniger nebenher jobben muss. Außerdem dürfen Bafög-Empfänger mit einer Wohnkostenpauschale von bis zu 325 Euro rechnen. Die Studierendenwerke an den Hochschulen vor Ort helfen beim Ausrechnen und beim Antrag.

Stipendien Eine Förderung, die man nicht zurückzahlen muss, sind Stipendien. Es lohnt sich eine intensive Recherche: Denn neben den großen Begabtenförderungswerken gibt es an den meisten Hochschulen auch lokale Stipendien. Die Begabtenförderungswerke unterstützen Studierende mit herausragenden Leistungen finanziell und ideell in ihrer akademischen Ausbildung. In Deutschland gibt es 13 Förderungswerke, die Stipendien an Studierende und Promovierende vergeben. Dazu gehören zum Beispiel die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Stiftung der Deutschen Wirtschaft, das Casanuswerk oder die Heinrich-Böll-Stiftung. Es gibt weltanschaulich neutrale Werke und mehr politisch, mehr religiös, mehr wirtschaftlich oder gewerkschaftlich orientierte Werke. Grundsätzlich gibt es einen Bewerbungsbogen, außerdem werden Lebenslauf, Motivationsschreiben und Zeugnisse verlangt. Auch nach Gutachten – etwa von Lehrern oder Professoren – wird teilweise gefragt.

Die Stipendien der Begabtenförderungswerke umfassen eine einkommensunabhängige Studienkostenpauschale in Höhe von 300 Euro, hinzukommt je nach Einkommen der Eltern eine Förderung von bis zu 735 Euro monatlich. Ähnliche Bedingungen gelten auch für das Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Man profitiert bei dem Stipendium aber nicht nur vom Geld. Es gibt für Stipendiaten auch interessante Workshops und Seminare, und man wird Teil eines Netzwerks, das später auch bei der Jobsuche hilfreich sein kann.

Beim sogenannten Deutschland­stipendium der Bundesregierung, für das man sich an der eigenen Hochschule bewirbt, gibt es 300 Euro im Monat für mindestens zwei Semester. Diese werden zur Hälfte von einem Stifter der Hochschule übernommen, zur anderen Hälfte vom Bund. Diese Unterstützung soll besonders begabten und leistungsstarken Studierenden eine konzentrierte wissenschaftliche Ausbildung ermöglichen.

Neben guten Noten legen viele Stipendiengeber Wert auf gesellschaftliches Engagement und Persönlichkeit. Wer sich in der Kirchengemeinde, einem Sportverein oder der Freiwilligen Feuerwehr engagiert, hat gute Chancen. Es gibt außerdem spezielle Stipendien für Frauen, Studierende mit Migrationshintergrund oder aus Nicht-Akademiker-Familien. Lokale Stipendien gibt es auch: An der Heinrich-Heine-Uni Düsseldorf unterstützt beispielsweise die Provinzial Rheinland Jurastudenten, die Siemens AG Elektrotechnik-Studierende oder die LVR-Kliniken Medizin-Studierende mit Psychiatrie-Schwerpunkt.

Studienkredit In angespannten Phasen des Studiums ist Jobben keine gute Lösung, um das Studium zu finanzieren. Eine Alternative sind dann Studienkredite wie die der Daka, der Darlehenskasse der zwölf Studierendenwerke in NRW. Der gemeinnützige Verein vergibt seit mehr als 65 Jahren Darlehen an Studierende in Finanznot – und das zinslos. Bis zu 12.000 Euro Darlehenshöchstbetrag können beispielsweise Kölner Studierende über ihr Studierendenwerk vor Ort bei der Daka beantragen; im Monat können das bis zu 1000 Euro sein.

Wie hoch das Darlehen ist und wie lange es beansprucht wird, richtet sich nach dem individuellen Bedarf. Die durchschnittliche Darlehenshöhe beträgt rund 6500 Euro. Im Jahr 2019 stieg die Vergabesumme beim Kölner Studierendenwerk deutlich an: Von 854.109 Euro auf 1.021.973 Euro – das sind 20 Prozent mehr. „Wir sind froh, auf diese Weise Studierende in finanziellen Notlagen noch mehr unterstützen zu können“, sagt Jörg J. Schmitz, Geschäftsführer des Werks: „Unsere Darlehen haben unschlagbar günstige Konditionen, sehr klare und faire Rückzahlungsbedingungen. So können sie helfen, dass ein Studium nicht am Geld scheitert.“ Die Rückzahlung beginnt in der Regel zwölf Monate nach Auszahlungsende, kann aber auch noch weiter aufgeschoben werden.

Und: Die Daka vergibt zusätzlich zu ihren Studiendarlehen auch Darlehen speziell für Auslandssemester. Bis zu 6000 Euro Darlehenshöchstbetrag können etwa Kölner Studierende für ihr Auslandssemester über das Kölner Studierendenwerk bei der Daka beantragen, ausgezahlt in einer Summe und ebenfalls zinslos.