Studenten-Leben Alle wollen in die Fachschaft

Eins hat sich an der Uni grundlegend geändert: In der Schule wollte noch jeder Klassensprecher werden. Vielleicht auch, um dann bessere Noten abzustauben. In die Fakultätsfachschaft will später kaum noch jemand. Den wenig wirklich Engagierten macht keiner ernsthaft ihre Positionen streitig. Mit Beginn des neuen Semesters ändert sich das schlagartig, plötzlich will jeder mitmischen. Grund dafür ist nicht etwa ein Sinneswandel; attraktiv wird das soziale Engagement durch die Erstis, die bald kommen.

Denn nur wer die Fachschaft unterstützt, darf auch bei den im Ergebnis gleichen Stadtrallyes, Infoabenden und Kneipentouren mit von der Partie sein. Das wollen sich natürlich vor allem die Jungs unseres Semesters nicht entgehen lassen, die jetzt endlich ihre große Chance sehen. Permanent tauschen sie sich darüber aus, wie sie vor den neuen Mädels den reifen, erfahrenen Drittsemester mimen können. Aber auch die weibliche Beteiligung in der Fachschaft steigt enorm.

Nicht, dass uns die jüngeren Kerle interessieren würden. Doch die Konkurrenz, die da kommt, muss begutachtet werden, um dann etwaige Besitzansprüche klar aufzuzeigen. So haben wir alle einen Grund, angesichts des ankommenden "Frischfleischs", wie es auf einem Flyer für die Willkommensparty so charmant heißt, nervös zu werden. Die Einzigen, die der Ersti-Woche entspannt und siegessicher entgegenblicken, sind die Herren aus dem sechsten Semester.

Denn die haben voriges Jahr schmerzlich erfahren müssen, dass die tatsächlich Älteren, die die so erwachsenen Drittsemester offen belächeln, noch die größeren Erfolgschancen haben. Für unsere Jungs heißt das dann noch mal ein Jahr warten.

(RP)