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Vorbild Nurejew: 23-Jähriger ist einziger Tanz-Student

Vorbild Nurejew : 23-Jähriger ist einziger Tanz-Student

Köln (RP). Allein unter Frauen: Als einziger Mann hat der 23-jährige Arthur Schopa an der Kölner Hochschule für Musik den Studiengang Tanz belegt. Seither kämpft er gegen Klischees - mit Leidenschaft.

Nein, den Film "Billy Elliot - I will dance" hat Arthur Schopa nicht gesehen. Überhaupt stören ihn die vielen Vorurteile, die mit seinem Traumberuf verbunden sind: Arthur will Tänzer werden. Er absolviert an der Kölner Hochschule für Musik den Studiengang Tanz.

Als einziger Mann allein unter Frauen. Dafür hat er sich in den vergangenen zwei Jahren einiges anhören müssen: "Auch in meinem Freundeskreis überwiegt die Vorstellung, Tanzen sei gleichbedeutend mit klassischem Ballett und Tutu, aber das ist ja nur ein Aspekt der Ausbildung, der mich persönlich auch nie sonderlich gereizt hat."

Erste Tanzstunde war ein Schock

Viel reizvoller fand Arthur (23) schon im Alter von sechs Jahren den zeitgenössischen Tanz. Während eines Krankenhausaufenthaltes zwecks Mandelentfernung lernten er und seine Eltern einen Tanzschullehrer kennen, der mit ihm das Zimmer teilte und die Familie zu einem Besuch einlud.

Neben Flötenunterricht, Klavierstunden und Judotraining komplettierte von nun an die Tanzschule die musische Förderung des jungen Arthur. "Die erste Unterrichtsstunde war allerdings ein Schock! Da waren nur Mädchen, die Ballett getanzt haben, damit konnte ich nicht viel anfangen", berichtet Arthur Schopa über seine "ersten Schritte".

Seine Leidenschaft für den Tanz entdeckte er schließlich in der "Kinderstunde". Ein Kurs, an dem auch Jungen teilnahmen und Breakdance oder Hip-Hop getanzt wurde. Seitdem träumt Arthur davon, als professioneller Tänzer auf der Bühne zu stehen. Als eine zeitgemäße Variante von Rudolf Nurejew oder Nijinsky.

Im Laufe seines Studiums ist er seinem Ziel bereits ein großes Stück näher gekommen: Er war an diversen - zeitgenössischen - Tanzaufführungen beteiligt und durfte im Musikvideo der Gruppe "Soundscapers" auftreten. Die waren immerhin schon Vorband bei Konzerten von Xavier Naidoo, und der deutsche Soulsänger ist Arthurs Lieblingsinterpret.

Spät mit dem Studium begonnen

Mit dem Vorwurf, die Angebote nur wegen seines Geschlechts bekommen zu haben, kann er gut umgehen: "Neben meinen 60 Kommilitoninnen bin ich nun mal der einzige Mann. Aber wenn die Choreographen nicht sehen würden, dass ich tanzen kann, würden sie eher auf die männliche Rolle verzichten".

Und dass Arthur tanzen kann, ist ihm vor zwei Jahren anlässlich seiner Aufnahmeprüfung bestätigt worden: Auf die Frage der Prüfungskommission "Warum kommen sie so spät?", antwortete er spontan, keinen Parkplatz gefunden zu haben. "Dabei wollten meine Prüfer nur wissen, wieso ich mich erst mit 23 zu diesem Studium entschlossen habe", erzählt Arthur und lacht. Erst nach einer anstrengenden Hotelfachausbildung und einem Intermezzo als Animateur auf einem Amüsierdampfer hatte er sich nämlich getraut, seinen großen Traum doch noch zu verwirklichen.

Jetzt ist er froh, sich für diesen Schritt entschieden zu haben - trotz aller Klischees und dummen Fragen, die ihn nach wie vor begleiten. Als eine moderne Version des "Billy Elliott" sieht er sich nämlich nicht: "Von dem Film habe ich gehört, ansehen werde ich ihn mir aber nicht, das ist einfach nicht mein Geschmack", erklärt der sympathische junge Mann. Einen Lieblingsfilm hat der Tanzstudent dennoch: "Die Ritter der Kokosnuss" von der britischen Komikertruppe "Monty Python". Ein klassischer Tanzfilm ist das nun wirklich nicht gerade.

Womit wir wieder bei den Klischees und Vorurteilen wären - den unbestätigten.

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