"Duden" : 125 Jahre deutsche Einheit

Was am 7. Juli 1880 erstmals als "Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache" auf den Markt kam ist inzwischen besser als "Duden" bekannt und feiert folglich am heutigen Donnerstag seinen 125. Geburtstag. Wir gratulieren.

Als Lehrer wusste Konrad Duden, wie es um die deutsche Rechtschreibung stand: Jede Schule, jeder Verlag und jede Dienststelle schrieb nach eigenen Regeln, denn eine einheitliche Schreibweise gab es gegen Mitte des 19. Jahrhunderts nicht.

Dass dieses Wirrwarr ein Ende fand, war vor allem dem damaligen Gymnasialdirektor Duden und seinem Nachschlagwerk zu verdanken - und auch heute ist das gelb eingebundene Standardwerk aus Behörden, Büros und Schulen nicht wegzudenken.

Auf die Grundwörter beschränkt

Der erste "Duden" enthielt 27.000 Stichwörter auf 187 Seiten. In der aktuellen, 23. Auflage findet man hingegen 125.000 Stichwörter auf 1.152 Seiten. Seit der 7. Auflage von 1902 gilt der "Duden" als das verbindliche Wörterbuch für die deutsche Rechtschreibung.

Der Projektleiter des Rechtschreibdudens, Werner Scholze-Stubenrecht, sagte in einem ddp-Interview mit Blick auf den ersten Duden von 1880: "Ich denke nicht, dass Konrad Duden geglaubt hat, er habe alle Wörter der deutschen Sprache erfasst. Er hat sich damals sozusagen auf die Grundwörter beschränkt."

Der "Urduden" sei ein "reines Rechtschreibwörterbuch" gewesen, sagte Scholze-Stubenrecht, der seit 1985 stellvertretender Leiter der Duden-Redaktion in Mannheim ist.

Volkswörterbuch

Im Lauf der Jahre seien Angaben zur Aussprache und Grammatik bei fast allen weniger gebräuchlichen Wörtern hinzugekommen. Auch bei Fremdwörtern oder Mundartausdrücken seien Bedeutungsangaben aufgenommen worden, so dass sich der Duden "immer stärker zum Volkswörterbuch entwickelt" habe.

Als Aufnahmekriterium kam auch die Gängigkeit von Wörtern hinzu. "Immer nach der Maßgabe: Die Menschen möchten's drin finden", sagte Scholze-Stubenrecht.

Mit der deutschen Teilung zerfiel auch der "Duden" nach dem Krieg in eine Ausgabe West und eine Ausgabe Ost, wobei zwei unterschiedliche Redaktionen das Wörterbuch parallel erarbeiteten. Sie hielten jedoch "am Prinzip einer einheitlichen Orthografie" fest, wie die Duden-Pressestelle betont.

"Angemessen reagieren"

Der "Einheitsduden" von 1991, die 20. Auflage, wurde schließlich wieder gemeinsam von der Dudenredaktion in Mannheim und dem "Lektorat Deutsch" in Leipzig erarbeitet. Als 1996 die Rechtschreibreform das Regelwerk von 1901 ablöste, erschien die 21. Auflage mit der neuen deutschen Rechtschreibung.

Die aktuelle, 23. Auflage sei wegen der geplanten Änderungen bei der Rechtschreibreform nicht unbrauchbar geworden, betonte Scholze- Stubenrecht. "Für den alltäglichen Schreibgebrauch liegt das, was sich noch ändern könnte, im Promillebereich", sagte er.

Auf Entscheidungen der Kultusministerkonferenz werde man "angemessen reagieren". In den 80er Jahren habe die Erarbeitung des Rechtschreibdudens ein bis zwei Jahre gedauert. Heute sei das "in wenigen Monaten" zu schaffen.

Der Chef des Rechtschreibdudens räumte ein, dass auch er "täglich" im "Duden" nachschlagen müsse. "Vielleicht ein halbes Dutzend Mal", sagte Scholze-Stubenrecht.

(afp/RPO)