Düsseldorf: Bessere Züchtung soll dem Kakaobaum helfen

Düsseldorf : Bessere Züchtung soll dem Kakaobaum helfen

Ein Winter ohne eine Tasse heiße Schokolade, Fernsehen ohne die dunklen Täfelchen auf dem Wohnzimmertisch? Unvorstellbar. Doch möglicherweise wird genau das passieren – der Kakaobaum ist in der Krise. Die Produktion in den Haupterzeugerländern sei akut gefährdet, berichten die beiden US-Forscher Schmitz und Shapiro im "Scientific American". Oft bekomme der Kakaobaum von oben zu viel Sonne und von unten zu viel Nässe, auch werde er ständig zurückgeschnitten, um die Ernte zu erleichtern. In der Folge gerate er unter Stress, die Krankheitsanfälligkeit nehme zu. "Der Kakaobaum war schon immer extrem anfällig für Pest und Pilzinfektionen", schreiben die Forscher. In Südamerika wüten vor allem Pilzerkrankungen wie Schwarzfäule und Hexenbesen-Krankheit, in Asien sind es Kakaomotten.

Als erstes Mittel der Wahl kommen gegen diese Plagen Pestizide zum Einsatz. Doch diese Waffe ist nicht mehr erwünscht, außerdem wird sie wegen zunehmender Resistenzen allmählich stumpf. Wissenschaftler fokussieren daher ihren Blick auf das Genom des Kakaobaums. 2010 gelang die komplette Entschlüsselung. Die Überraschung: Die Kakaopflanze hat in ihrer Evolution gerade mal zehn genetische Varianten hervorgebracht, die sich zudem nur unwesentlich voneinander unterscheiden.

Wobei für die Forscher beim Kakao nicht die Manipulation an den Genen im Mittelpunkt steht. Es geht vielmehr darum, die herkömmliche Kakao-Züchtung auf eine gute Datenbasis zu setzen. So haben Züchter in Costa Rica bereits eine Pflanze entwickelt, die zwar resistent gegen den "Hexenbesen" ist, dafür aber kleinere Erträge liefert. Früher dauerten solche Kreuzungsversuche sehr lange, jetzt lassen sie sich aufgrund der zur Verfügung stehenden Gen-Karten viel exakter durchführen. Außerdem können bessere Kreuzungsverfahren edle Kakaosorten begünstigen. Etwa "Criollo": Diese wertvolle Sorte hat ein feines, nussig-mildes Aroma, ist aber extrem infektanfällig, weswegen sich bisher die Bauern vor ihrem Anbau scheuen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE