Sensationeller Skelettfund in Afrika: "Ardi", der Vorfahre des Menschen

Sensationeller Skelettfund in Afrika: "Ardi", der Vorfahre des Menschen

Washington (ddp). Ein Skelett namens "Ardi" gibt Wissenschaftlern einen völlig neuen Einblick in die Lebensweise der ältesten Urahnen des modernen Menschen. "Ardi" gehört zur Vormenschenart Ardipithecus ramidus, die vor etwa 4,4 Millionen Jahren im heutigen Äthiopien gelebt hat.

Laut den Forschern ist der Körperbau des Ardipithecus ein Mosaik, das sowohl Merkmale der späteren Hominiden - zu denen auch der Mensch gehört - als auch solche ihrer weniger weit entwickelten Vorfahren aufweist.

Die Fußknochen unseres Vorfahren. Foto: Science, AP

Außerdem müssten möglicherweise einige Dogmen der Anthropologie revidiert werden: Der aufrechte Gang entwickelte sich wohl nicht erst in offenem Gelände und der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse glich letzterem wahrscheinlich weniger als bisher angenommen. Offenbar haben sich beide Linien nach der Trennung erheblich weiterentwickelt. Dies berichten mehrere internationale Forscherteams in einem Schwerpunkt im Fachjournal "Science" (Ausgabe vom 2. Oktober).

Null und nichtig

Auf der Suche nach dem letzten gemeinsamen Vorfahr von Mensch und Schimpanse hielten die Forscher bisher vor allem nach Fossilien Ausschau, die den Schimpansen gleichen. Die Autoren der neuen Studien finden nun diesbezüglich deutliche Worte: "Die Merkmale des Ardipithecus erklären diese Annahmen für null und nichtig", schreiben sie.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die sich aus den detaillierten Untersuchungen der Fossilien ziehen ließen, sei jene, dass Schimpansen wie die Menschen eine hochspezialisierte Gruppe bildeten, und der letzte gemeinsame Vorfahre - der allerdings erst noch gefunden werden muss - irgendwo dazwischen stehe, und nicht unbedingt näher beim Schimpansen.

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Die Untersuchungen begannen 1992 in Äthiopien mit der Entdeckung eines Zahns. Seitdem schälten die Wissenschaftler unzählige Fossilien in Kleinstarbeit aus dem Sediment, das sie aufgrund seines vulkanischen Ursprungs genau datieren konnten. Unter den Funden befand sich auch das Skelett von "Ardi", einem weiblichen Ardipithecus, von dem erstaunlich viele Fragmente erhalten sind.

Eine kleine Sensation

Mehr als 15 Jahre nach Beginn der Ausgrabungen steht nun fest: Der Ardipithecus wog rund 50 Kilogramm, maß etwas mehr als einen Meter, hatte ein kleines Gehirn und lebte in halboffenem Gelände zwischen Büschen, Bäumen und lichten Flächen. Eine kleine Sensation ist die Tatsache, dass seine Hüften und Lendenwirbel ihm eindeutig aufrechtes Gehen ermöglichten, seine Hände und Füße aber auch eine sichere Fortbewegung auf Bäumen erlaubten - und das lange bevor sich die Wälder endgültig lichteten. Dies hatte bisher als Voraussetzung für die Entwicklung des aufrechten Ganges gegolten.

Ein anderes hochinteressantes Merkmal des Ardipithecus sind seine Eckzähne. Diese unterscheiden bei allen Menschenaffen die Männchen erheblich von den Weibchen und dienen unter anderem dem Balzgehabe der männlichen Tiere. Beim Ardipithecus ist dieser Unterschied relativ klein, was weitreichende Schlüsse auf das Sozialverhalten der Art zulässt: Die Forscher leiten daraus zum Beispiel einen Hang zur Monogamie und weniger Rivalität unter den Männchen ab.

(AFP/awei/csr)
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