Ausdehnung nach Radarbildern größer als angenommen: Angkor Wat war früher Mega-City

Ausdehnung nach Radarbildern größer als angenommen : Angkor Wat war früher Mega-City

Chicago (RPO). Die berühmte Tempelanlage Angkor Wat in Kambodscha war früher eine wahre Riesenstadt. Das ergaben neue Radaruntersuchungen der Umgebung der Anlage. Rund 3000 Quadratkilometer soll das Stadtgebiet früher umfasst haben.

Das behauptet eine am Montag in den USA veröffentlichte Studie. Damit war die Stadt etwa dreimal so groß wie bislang angenommen - und dürfte die größte vorindustrielle städtische Siedlung der Welt gewesen sein.

Die Erkenntnisse verdanken die Forscher Radaraufnahmen des Geländes, die ihnen die US-Weltraumagentur NASA zur Verfügung stellte. Diese Bilder zeigen die Struktur unter der Oberfläche des Gebietes. Den Forschern gelang es dadurch, Straßen, Kanäle und Teiche um die Tempel zu identifizieren.

Bei anschließenden Vergleichen der gewonnenen Daten mit Luftbildern und Bodenuntersuchungen konnten die Forscher schließlich tausende Teiche und 74 lange verschollene Tempel identifizieren.

Aus den Erkenntnissen über das komplexe Bewässerungssystem, das zum Reisanbau diente, schlossen die Wissenschaftler, dass sich die Stadt von ihrem Zentrum aus etwa 20 bis 25 Kilometer nach Norden und Süden ausdehnte - bis an die Ufer des nahe gelegenen Sees Tonle Sap. Auf dieser Fläche könnte etwa eine halbe Million Menschen gelebt haben, sagte der Autor der Studie, Damian Evans von der Universität Sydney. Allerdings gebe es auch Anzeichen, dass ein Teil des Gebiets nur spärlich bewohnt gewesen sei.

Die Wissenschaftler vermuten zudem, dass die Größe der Stadt zu erheblichen Umweltproblemen führte. "Angkor war groß genug und die landwirtschaftliche Nutzung intensiv genug, dass eine Reihe schwerer Umweltprobleme entstanden sein könnten", sagte Evans. "Wir haben Hinweise für Deichbrüche und kurzfristige Reparaturen an Brücken und Dämmen entdeckt, die darauf hindeuten, dass das System mit der Zeit nicht mehr handzuhaben war", erläuterte er weiter.

Abholzung, Überbevölkerung, Bodenerosion und Fluten könnten die fatale Folge für die mittelalterliche Bevölkerung gewesen sein, schloss er weiter aus den Erkenntnissen. Die Khmer-Reich hatte zwischen dem neunten und dem 14. Jahrhundert seine Blütezeit.

(afp2)
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