Herbst vermutlich zu trocken zum Wiederaufforsten: Abgebrannte Wälder brauchen eine Generation zum Nachwachsen

Herbst vermutlich zu trocken zum Wiederaufforsten : Abgebrannte Wälder brauchen eine Generation zum Nachwachsen

Nach den verheerenden Brände benötigt der neue Wald viel Zeit zum Nachwachsen. Nach Aussage eines Experten wird mindestens eine Menschengeneration vergehen, bis der Wald an dieser Stelle alle Funktionen wieder erfüllen kann.

Die sengende Sommersonne hat auch in Deutschland vielerorts kleine Waldbrände verursacht. Wenn die Hitzewelle abgeebbt ist, geht es etwa in Brandenburg, Sachsen-Anhalt oder Schleswig-Holstein an die Wiederaufforstung - oft mit großen Schwierigkeiten. So wird nach Experteneinschätzung der Herbst zu trocken zum Anpflanzen. Und der neue Wald braucht viel Zeit zum Nachwachsen.

"Es dauert mindestens eine Menschengeneration, bis der Wald wieder all seine Funktionen erfüllen kann", sagt Stefan Nüßlein, Geschäftsführer des Deutschen Forstwirtschaftsrats (DFWR) in Rheinbach. Die Wiederaufforstung sei meist schwierig, weil die Kahlflächen intensiver Besonnung ausgesetzt seien. Schattbaumarten wie Buche oder Tanne können dort nicht gepflanzt werden. Im Winter kühlten die abgebrannten Areale stark aus, was viele Arten nicht vertrügen.

Weitere Probleme sind laut Nüßlein die "intensiv sprießende Begleitflora" und Wild, das die neuen Bäumchen verbeiße. Rehe und andere Tiere knabberten beispielsweise gern an Eichenbäumchen. Die 40 bis 60 Zentimeter großen Setzlinge müssen deshalb oft mit Zäunen geschützt werden.

Wie schwierig sich die Wiederaufforstung abgebrannter Flächen gestaltet, hängt laut Nüßlein von der Art des Feuers ab. Fliegende Feuer, wie sie bei den meisten Waldbränden in Deutschland vorgekommen seien, zerstörten nur die oberste Schicht des Waldes und ließen den Oberboden intakt. Die größten Schäden richteten die selteneren tiefen Feuer an, die bis tief in den Boden Pflanzen und Nährstoffe vernichten.

Neu angepflanzt werden kann im Herbst oder im Frühjahr. Doch die Meteorologen sagen einen heißen, trockenen Herbst voraus. "Es wäre deshalb ratsam, auf das Frühjahr zu warten", sagt Jens Stengert von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). Sonst verdorrten die jungen Pflänzchen gleich wieder.

Welche Bäume gewählt werden, muss den Experten zufolge je nach Umgebung und Pflanzbedingungen bestimmt werden. Ökologisch am besten seien Mischwälder, erläutert Stengert. Eine andere, allerdings zeitintensive Möglichkeit sei die so genannte Naturverjüngung, bei der auf die natürliche Fortpflanzung umliegender Bäume gesetzt wird. Der Vorteil: "Es siedeln sich nur solche Bäume an, die bereits an die Fläche angepasst sind."

Private und kommunale Waldbesitzer erhalten bei der Aufforstung staatliche Unterstützung. Die Materialkosten könnten so gedeckt werden, sagt Nüßlein vom DFWR. Das Wiederanpflanzen einer Eichenkultur mit Begleitbaumarten wie Buche und Linde koste je nach Rahmenbedingungen bis zu 15.000 Euro pro Hektar. Eine reine Nadelholzkultur sei billiger, werde aber aus ökologischen Gründen nicht gefördert.

Mindestens zwanzig bis dreißig Jahre dauert es, bis der neu angepflanzte Wald Schatten spenden und Klima- und Schutzfunktionen übernehmen kann. Für die Waldbesitzer bedeutet dies einen enormen wirtschaftlichen Verlust, sagt Nüßlein: "Erträge werden erst wieder die Enkel haben."

(RPO)
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