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100 Jahre Din-Maße: Warum ein Blatt Din-A4-Papier das Maß 21 x 29,7 hat​

100-jähriges Jubiläum : Warum ein Blatt Din-A4-Papier das Maß 21 x 29,7 hat

Der Ursprung des wohl bekanntesten Papierformats der Welt reicht 100 Jahre zurück. Bemerkenswert ist damals wie heute, dass ein Blatt DIN-A4-Papier genau 21 Zentimeter breit und 29,7 Zentimeter lang ist. Warum das berühmte Format solch ungerade Maße zeigt, hat einen guten Grund.

Der Berliner Ingenieur Walter Porstmann (1886-1959) hatte Anfang des 20. Jahrhunderts die Idee, die Größe von Papierformaten nicht nach den Seitenlängen, sondern nach dem Flächeninhalt zu berechnen. Die Grundfläche von einem Quadratmeter entspricht dem Format A0 (841 x 1189 Millimeter). Wer einen Bogen A0-Papier in der Mitte faltet, erhält das nächstkleinere Format A1. Dieses wird nach abermaligem Teilen zu A2, dann zu A3 und schließlich zu A4.

Egal ob halbiert, geviertelt oder geachtelt, das Seitenverhältnis bleibt dabei immer gleich. Daraus ergeben sich dann die gebräuchlichen Größen für Plakate und Personalausweis, Vokabelheft und Visitenkarte.

Nun wird das DIN-A4-Format 100 Jahre alt. Am 18. August 1922 veröffentlichte das Deutsche Institut für Normung (DIN e. V.) mit Sitz in Berlin die Norm DIN 476. Heute ist es ein internationaler Klassiker und wird als „DIN EN ISO 216“ bezeichnet.

Schon im Mittelalter gab es Versuche, einheitliche Papiergrößen zu schaffen - etwa in Bologna. Dort wurden 1389 in den „Statuti des Popolo“ Blattgrößen festgelegt und deren Umrisse auf eine Marmorplatte graviert.

Im späten 18. Jahrhundert wurde erstmals das Seitenverhältnis 1 zu Wurzel 2 (1: 1,41) vorgeschlagen - eine für den Menschen augenscheinlich als angenehm empfundene Form. Nur bei diesem Seitenverhältnis entstehen zwei ähnliche Papierstücke mit demselben Seitenverhältnis, nachdem man ein Stück Papier in der Mitte teilt. Dies geriet jedoch wenig später wieder in Vergessenheit.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Idee neu belebt von dem Chemienobelpreisträger Wilhelm Ostwald (1853-1932). Er war Mitbegründer eines „Internationalen Instituts zur Organisation der geistigen Arbeit“. Ziel war es, das gesamte Wissen der Welt zu katalogisieren und ein weltweit gültiges Format für Druckerzeugnisse zu schaffen.

„Die Formatfrage scheint zunächst nur den verhältnismäßig kleinen Kreis der Hersteller und Abnehmer der Druckwerke“, anzugehen, schreibt er 1911 in seinem Buch „Weltformate“. Weil aber der größte Teil aller geistigen Arbeit zu Papier gebracht werde, habe jeder Geistesarbeiter ein Interesse daran, dass diese Frage „ein für allemal, und zwar in zweckmäßigster Weise aus der Welt geschaffen wird“.

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Doch das Vorhaben misslang zunächst. Auf Grundlage des Weltformats entwickelte dann sein Assistent Walter Porstmann die Vereinheitlichung der Papiermaße. Neben den praktischen Vorteilen sah er damals schon den Aspekt des Umweltschutzes: Einheitliche Formate bedeuteten auch eine „Schonung unserer kostbarsten Güter, der Wälder“.

Besonders gut kam die neue Regelung im oberfränkischen Wunsiedel an, dessen Bezirksamt bereits im Spätsommer 1922 die Anwendung für Drucksachen vorschrieb. Die Reichsbahndirektion übernahm dies im Herbst 1923. Später wurde dies in ganz Europa und weiten Teilen der Welt eingeführt.

Auswirkungen hatte das nicht nur auf Papiergrößen und Druckmaschinen, sondern auch auf Büroeinrichtungen. So wurden die Größen von Schreibtischschubladen und Aktenordnern entsprechend geändert.

Damals wie heute sollte die Normierung zur Vereinheitlichung beitragen. „Eine Norm ist ein Dokument, das Anforderungen an Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren festlegt“, erläutert Mona Thieme vom Deutschen Instituts für Normung. Dies unterstütze die Rationalisierung sowie Qualitätssicherung. Eine Norm schaffe zudem Klarheit über die Eigenschaften eines Produkts, erleichtere den freien Warenverkehr und fördere den Export.

Die Norm zu Papierformaten sei ein weltweiter Erfolg, freut sich der DIN-Vorstandsvorsitzende Christoph Winterhalter (Berlin) anlässlich des Jubiläums: „Es ist ein frühes Beispiel dafür, wie sich eine nach dem Konsensprinzip getroffene Entscheidung bewährt hat.“

Doch keine Regel ohne Ausnahme: In den USA und Kanada ist immer noch das sogenannte Lettermaß für Papiergrößen gebräuchlich. Und auch in Europa ist die Norm weiter freiwillig: Wer sich von der Masse abheben will, verwendet andere Formate - etwa für aufwendig gestaltete Bücher oder für Zeitungen.

(felt/epd)