Bildung: Wie Lehrer mit den Schulwünschen der Eltern umgehen

Bildung : Wie Lehrer mit den Schulwünschen der Eltern umgehen

Wer aufs Gymnasium geht, aus dem wird etwas. Beste Bildungschancen, bester Abschluss, beste Berufsaussichten - davon sind viele Eltern überzeugt. Die Angst, dass die Realschule "nicht gut genug" sei, nehmen die Lehrer durchaus ernst. Und so finden sich einige von ihnen nach der Vergabe der Halbjahreszeugnisse in den vierten Klassen in Beratungsgesprächen mit besorgten Müttern und Vätern wieder, deren Kind die eingeschränkte Empfehlung fürs Gymnasium bekommen hat. "Sie wollen das Beste für ihr Kind - und das ist auch legitim", sagt Britta Kuhlen, kommissarische Leiterin der Matthias-Claudius-Grundschule in Düsseldorf.

Häufig argumentierten Eltern, dass sie ihr Kind zu Hause ganz anders erlebten als die Pädagogen in der Schule. Motivierter, leistungsfähiger, aufgeschlossener. "Sie erzählen uns, wie sie ihren Nachwuchs sehen, und wir hören zu - denn sie sind schließlich die Experten für ihr Kind", sagt Susanne Hartwig, Leiterin der Adolf-Klarenbach-Grundschule in Düsseldorf. "Die meisten Eltern haben einen realistischen Blick aufs Kind", so Hartwig - in jedem Jahrgang gebe es meist nur ein bis zwei Familien, die erbittert um eine Neueinschätzung kämpften. "Die Empfehlungen selbst sind aber nicht verhandelbar", sagt Kuhlen. "In den Gesprächen legen wir den Eltern dar, wie viel Engagement nötig wäre, damit das Kind auf dem Gymnasium Erfolg hat." Zusätzliches Lernen am Nachmittag, Nachhilfe - das sei vielen gar nicht bewusst.

Diejenigen, die sich trotz eingeschränkter Empfehlung für das Gymnasium entscheiden, landen dann etwa bei Thomas Prell-Holthausen, stellvertretender Leiter des Clara-Schumann-Gymnasiums in Viersen-Dülken. "Seit einigen Jahren ist die Empfehlung nicht mehr entscheidend. Wir nehmen sie zur Kenntnis. Wohin das Kind geht, entscheiden am Ende aber die Eltern", sagt er. Und die seien keineswegs beratungsresistent. Spielerisch fühlt der Pädagoge den Kindern im Gespräch auf den Zahn und überzeugt damit auch Mutter und Vater. "Ich frage etwa nach der Telefonnummer und bitte den Schüler, die Zahlen zu addieren und mit zwei zu multiplizieren." Oder sie sollen den Namen ihrer Lehrerin buchstabieren. Das sei eine zusätzliche Möglichkeit zu der Empfehlung, um die Leistung des Kindes einschätzen zu können.

Ganz hartnäckige Eltern aber lassen auch das nur bedingt gelten. Sie argumentierten, dass ihr Kind durchaus leistungsfähig sei - nur sei der Unterricht zu häufig ausgefallen, die Lehrer wechselten ständig, der Nachwuchs konnte sich so nicht richtig präsentieren. Und so landen auch Kinder mit eingeschränkter Empfehlung auf dem Gymnasium. Tragisch sei das erst einmal nicht. "Die ersten beiden Jahre sind die Erprobungsstufen. In der Zeit wechseln Kinder von der Realschule zu uns oder von uns zur Realschule", sagt Prell-Holthausen. Wichtig sei, dass das Kind gefordert, nicht aber überfordert werde. "Wenn das Lernen keinen Spaß macht, ist das Kind in den Brunnen gefallen."

Ein ganz anderes Problem entsteht, wenn Kinder eine Empfehlung für die Hauptschule erhalten, sagt Ben Weiß, Lehrer an der Adolf-Klarenbach-Grundschule. "Das Bild von der Hauptschule ist teils negativ geprägt. Der Besuch einer solchen Schule kann aber Vorurteile ausräumen." Und was ist mit der Meinung der Kinder? "Die können mit der Bedeutung der Schulformen meist gar nichts anfangen. Der Wunsch der Kinder spiegelt dann eher das wider, was die Eltern wollen", so Weiß.

(RP)