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WHO erwartet deutliche Zunahme der Demenzkranken-Zahl

Abbau kognitiver und sozialer Fähigkeiten : WHO erwartet deutliche Zunahme der Demenzkranken-Zahl

Die Zahl der Demenzkranken wird nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rasant steigen. Bis 2030 dürften rund 40 Prozent mehr Menschen weltweit mit Demenz leben als 2019, heißt es in dem am Mittwoch in Genf vorgestellten Bericht. Woran das liegt.

Die Zahl der Demenzkranken wird laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den kommenden Jahrzehnten deutlich zunehmen. Derzeit lebten laut Schätzungen 55 Millionen Menschen mit der Krankheit, teilte die WHO am Donnerstag in Genf mit. Im Jahr 2030 werde die Zahl der Demenz-Erkrankten bei 78 Millionen liegen, 2050 bei 139 Millionen. Die meisten Länder seien darauf nur ungenügend vorbereitet. Gründe für die Zunahme seien die wachsende Bevölkerung und die steigende Lebenserwartung. Vornehmlich ältere Menschen seien von Störungen und Ausfällen des Gedächtnisses betroffen.

Eine fortschreitende Demenz schränke mehr und mehr die Fähigkeit ein, unabhängig den Alltag zu bewältigen, erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Demenz raube den Menschen auch ihre Würde. Er kritisierte, dass viele Betroffene zu wenig oder gar keine Unterstützung erhielten. Nur ein Viertel der Staaten hätten eine nationale Politik, eine Strategie oder einen Plan, um den Demenz-Erkrankten und ihren Familien zu helfen.

„Die Welt lässt Menschen mit Demenz im Stich“, sagte der WHO-Chef. Es müsse mehr getan werden, damit Betroffene die Unterstützung für ein Leben in Würde erhalten und Betreuerinnen und Betreuer nicht allein gelassen werden. „Menschen mit Demenz sowie ihre Familien und Betreuerinnen und Betreuer erleben Diskriminierung aufgrund des Alters, Stigma und soziale Ausgrenzung. Das darf in unseren Gesellschaften keinen Platz haben“, heißt es in dem Bericht.

Das Interesse an der Erforschung von Medikamenten gegen Demenz sei nach vielen enttäuschenden klinischen Studien gesunken, schreibt die WHO. Allerdings hätten die USA beispielsweise ihre jährlichen Investitionen in die Alzheimer-Forschung von 631 Millionen Dollar 2015 auf 2,8 Milliarden Dollar (rund 2,4 Mrd Euro) 2020 ausgeweitet.

(ala/dpa)