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Für Anwälte war Haaranalyse-Erklärung nichts Neues: Von Wende im Fall Daum ist vorerst nicht die Rede

Für Anwälte war Haaranalyse-Erklärung nichts Neues : Von Wende im Fall Daum ist vorerst nicht die Rede

Koblenz/Köln (rpo). Oberstaatsanwalt Erich Jung hat einen Bericht des WDR zurückgewiesen, wonach die Haarprobe von Fußballtrainer Christoph Daum vertauscht worden sein könnte. Daum muss sich wegen Kokain-Besitzes verantworten.

Von einer Wende im Fall Christoph Daum kann trotz Spekulationen über eine Verwechslung der mit Kokain belasteten Haarprobe vorerst nicht die Rede sein. Den Verteidigern des Fußballtrainers war bereits seit einiger Zeit bekannt, dass die Probe rein theoretisch hätte vertauscht werden können, wie Anwalt Dietmar Tambor am Freitag in Köln sagte.

Der für die Analyse zuständige Professor Herbert Käferstein habe Ende Oktober im Rahmen eines Zivilverfahrens erklärt, diese Möglichkeit könne nicht ausgeschlossen werden. Käferstein habe damals auch die Feststellung relativiert, wonach 72 Nanogramm Kokain pro Milligramm in Daums Haar nachgewiesen worden seien.

Ein entsprechender Schriftsatz von Käfersteins Anwälten sei dem Landgericht Köln im Herbst zugeleitet worden, sagte Tambor. Daums Verteidiger im Koblenzer Kokain-Prozess hätten von der Information bislang keinen Gebrauch gemacht, weil sie eine andere Taktik verfolgt hätten - "sehr erfolgreich, weil die Staatsanwaltschaft aus unserer Sicht bisher jegliche Beweisführung schuldig geblieben ist", erklärte er.

Nach den jüngsten Presseveröffentlichungen - der WDR hatte am Donnerstag von einer möglichen Verwechslung der Haarprobe berichtet - komme das Thema sicherlich bei der nächsten Verhandlung zur Sprache. "Jetzt bleibt uns fast nichts anderes übrig", sagte Tambor. Er betonte, dass Käferstein in dem Schriftsatz nur die Möglichkeit einer Verwechslung eingeräumt habe - da Daum die Haare nicht in den Räumlichkeiten des Instituts für Rechtswissenschaft der Kölner Universität abgeschnitten worden seien. Ähnlich äußerte sich die Koblenzer Staatsanwaltschaft; vor dem dortigen Landgericht muss sich Daum zurzeit wegen unerlaubten Drogenerwerbs und Anstiftung zum Kokainhandel verantworten. Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt.

Das Institut für Rechtswissenschaft der Universität Köln, das die Haaranalyse durchgeführt hatte, erklärte, dass nach Übergabe der Probe an die Einrichtung eine Verwechslung absolut ausgeschlossen sei. "Die Untersuchung dieser und keiner anderen Haarprobe hat die Herrn Daum damals mitgeteilte Konzentration ergeben", hieß es. Daum, der damals Trainer von Bayer Leverkusen war und eigentlich Bundestrainer der Nationalmannschaft werden sollte, hatte nach Gerüchten über seinen Kokain-Konsum die Haaranalyse im Oktober 2000 selbst in Auftrag gegeben.

72 Nanogramm nur Schätzwert

Tambor sagte, viel wichtiger als Spekulationen über eine Verwechslung der Probe sei für die Verteidigung eine weitere Feststellung in dem Käferstein-Schriftsatz - dass es sich nämlich bei dem damals mitgeteilten Wert von 72 Nanogramm Kokain pro Milligramm Haar um einen reinen Schätzwert gehandelt habe. Es werde ausdrücklich erklärt, dass der exakte Wert nicht gemessen worden sei, da der Auftrag nur auf 'positiv oder negativ' gelautet habe.

Experten hatten erklärt, die 72 Nanogramm seien ein Beweis dafür, dass Daum regelmäßig Kokain konsumiert habe. Demgegenüber hatte der heute 47-Jährige eingeräumt, nur gelegentlich Kokain benutzt zu haben. Der Coach trainiert derzeit den türkischen Erstligisten Besiktas Istanbul.

(RPO Archiv)