Stockholm: Victoria gönnt sich keine Babypause

Stockholm : Victoria gönnt sich keine Babypause

In knapp vier Wochen bekommen die schwedische Kronprinzessin und Prinz Daniel (38) ihr erstes Kind. Der Hof rechnet mit der Geburt Anfang März. Für die 34-Jährige ist das bislang kein Grund, bei Terminen kürzer zu treten. Ganz Schweden fiebert der Geburt der neuen Royal-Generation entgegen.

Davon, auf flauschigen Sofas in Schloss Haga zu liegen und sich von ihren Bediensteten jeden Wunsch von den Augen ablesen zu lassen, scheint Kronprinzessin Victoria nicht viel zu halten – obwohl sie momentan den besten Grund dafür hätte: Die 34-Jährige ist hochschwanger, in weniger als einem Monat wird sie ihr erstes Kind zur Welt bringen. Doch statt sich zu schonen, teilt sie mit, offizielle Termine bis zwei Wochen vor der Geburt wahrnehmen zu wollen. Und das sind nicht gerade wenige: Heute besucht die Kronprinzessin mit ihrem Ehemann Daniel ein Zentrum für wirtschaftliche und politische Studien in Stockholm. Am Montag trifft sie die schwedische Handelsministerin Ewa Björling, einen Tag später steht gemeinsam mit ihrem Vater Carl Gustaf ein Treffen mit dem Kabinett bevor. Und selbst für Ende des Monats ist im Hofkalender noch ein Termin für sie notiert: Ein Mittagessen mit der finnischen Präsidentin Tarja Halonen am 21. Februar.

Victoria wird eben nicht nur diejenige der drei Geschwister sein, die das erste Baby der neuen Generation der schwedischen Royals zur Welt bringt und damit den Fortbestand der Königsfamilie sichert. Sie ist auch die Nummer eins in der Thronfolge und bereitet sich intensiv auf ihre späteren Pflichten als Königin von Schweden vor, die sie einmal von ihrem Vater übernehmen wird.

Dabei zeigt Victoria schon jetzt – nicht nur durch den Verzicht auf eine längere Babypause –, dass mit ihr und ihrem bürgerlichen Gatten, dem früheren Fitnesstrainer Daniel Westling, eine neue, modernere Generation bereitsteht. Wenn ihr Kind geboren ist, soll der Reichsmarschall seine Botschaft nicht wie in früheren Jahrhunderten durch reitende Gesandte unters Volk bringen, sondern sofort bei Facebook darüber informieren, so Hofsprecher Bertil Ternert. Danach müsse sich die Öffentlichkeit noch einen Tag gedulden, bis der Name des Neugeborenen veröffentlicht wird.

Die Schwangerschaft der Kronprinzessin sei bisher völlig unproblematisch verlaufen, teilte der Palastsprecher mit. Tatsächlich hat die Thronfolgerin bei ihren Auftritten als Schwangere durchweg einen unangestrengten Eindruck gemacht. Vor wenigen Tagen besuchte sie das Astrid-Lindgren-Kinderkrankenhaus im Stockholmer Stadtteil Solna, wo sie laut schwedischen Medien wohl auch entbinden wird. Sie informierte sich dort jedoch nicht über Kreissaal und Hebammen, sondern nahm einen offiziellen Termin war. Mit ihrem inzwischen riesigen Babybauch – der fast Zwillinge vermuten lässt – repräsentierte sie mit Prinz Daniel das Königshaus bei einer Holocaust-Gedenkfeier Ende Januar. Sie plauderte mit Untertanen, beantwortete Fragen von Journalisten – und strahlte dabei. Als Zeichen für die gute Stimmung der werdenden Mutter wertete die Zeitung "Expressen" auch, dass Victoria das Angebot einer besonders warmen Decke freundlich ablehnte: "Ich habe schon genug um meinen Bauch", sagte die älteste Tochter von König Carl Gustaf und Königin Silvia dem Bericht zufolge.

Für das Königshaus bedeutet die enorme und durchweg positive Anteilnahme der Bevölkerung an dem bevorstehendem Familienzuwachs auch eine bitter benötigte Image-Aufbesserung. Nach der umstrittenen Hochzeit der Kronprinzessin mit Daniel Westling 2010 hatte es im vergangenen Jahr massiv negative Schlagzeilen wegen angeblicher Rotlicht-Aktivitäten des Königs gegeben. Hinzu kam Kritik an Königin Silvia, weil sie Aktivitäten ihres deutschen Vaters in der Nazi-Zeit verteidigte und auf ein Gutachten Einfluss genommen haben soll.

Auch Victorias Geschwister Prinz Carl Philipp und Madeleine helfen nach mehreren kleinen Skandalen (der Prinz: eine Beziehung zu einem Nacktmodell, die Prinzessin: eine gelöste Verlobung) dabei, ein positives Bild der schwedischen Royals zu vermitteln. Jeder von ihnen hat einen anderen Lebensentwurf gewählt – und scheint damit glücklich zu sein. Carl Philip hat gerade sein Landwirtschaftsstudium abgeschlossen. Der 32-Jährige, der nach wie vor mit dem schwedischen Model Sofia Hellqvist (27) zusammen ist, erklärte, dass er seinen Vater bei der Bewirtschaftung von Gütern unterstützen und seine Schwester entlasten wolle, damit sie sich um ihr Baby kümmern könne. Der jüngste Spross der Familie, Madeleine (29), lebt in New York und ist mit einen Banker liiert.

Ob die Königskinder auch bei der Namenswahl Traditionen erneuern werden? Hofexperte Roger Lundgren wagte für die Zeitung "Aftonbladet" einen Tipp: "Ich glaube, das Kind wird vier Namen bekommen." Für einen Prinzen setzt Lundgren auf Carl oder Oscar, für eine Prinzessin auf Christina oder Desirée.

(RP)
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