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Radarfoto - Alibi wacklig: Verdacht gegen Nachbarn im Mordfall Julia erhärtet

Radarfoto - Alibi wacklig : Verdacht gegen Nachbarn im Mordfall Julia erhärtet

Frankfurt/Main (rpo). Die Polizei verfolgt im Mordfall der kleinen Julia offensichtlich eine heiße Spur. Der Verdacht gegen einen 33 Jahre alten Nachbarn soll sich erhärtet haben.

Der bislang unbescholtene Verwaltungsangestellte und Familienvater ist in unmittelbarer Nähe des Leichenfundortes von einer Radarfalle geblitzt worden, teilte die Gießener Polizei am Freitag mit. Das Bild wurde am 3. Juli fast zur gleichen Zeit gemacht, als der brennende Holzstapel mit der Mädchenleiche entdeckt wurde. Der Verdächtige liegt nach einer Explosion im Keller seines Hauses mit schwersten Verbrennungen in einer Kölner Spezialklinik im Koma.

Zeugen beobachteten dunklen VW-Passat

Die Polizei hatte nach Darstellung ihres Sprechers Kurt Maier bereits einen Durchsuchungsbefehl für das Haus des Mannes in Biebertal-Rodheim im Kreis Gießen erwirkt, als sich die Verpuffung am Montag dieser Woche ereignete. Das zuvor von dem Mann vorgebrachte Alibi habe sich als nicht stichhaltig erwiesen, so dass gegen ihn intensiv ermittelt worden sei. Zeugen hatten zudem einen dunklen VW- Passat-Kombi in der Nähe des Leichen-Fundorts beobachtet, wie ihn auch der Verdächtige fährt.

Auch für den Zeitpunkt des Verschwindens von Julia sei das Alibi des Mannes nicht mehr haltbar, berichtete der Gießener Oberstaatsanwalt Reinhard Hübner. Angeblich soll die Ehefrau des Beschuldigten frühere Aussagen zurückgenommen haben. Das Paar hat eine drei Monate alte Tochter.

Die achtjährige Julia war am 29. Juni in Biebertal verschwunden. Ihre Leiche wurde in der Nacht zum 4. Juli in einem brennenden Holzstapel in einem Wald nahe der Bundesstraße bei Niddatal-Kaichen im Wetteraukreis gefunden.

Auto des Verdächtigen in Radarfalle geblitzt

Das Auto des Verdächtigen war nach Darstellung der Polizei am 3. Juli um 23.10 Uhr auf dieser Bundesstraße zwischen Kaichen und Heldenbergen geblitzt worden. Der Mann hatte zuvor in einem Gießener Stadtteil gewohnt und war noch nicht in Biebertal gemeldet. Daher hatte die Polizei einige Zeit gebraucht, um herauszufinden, dass er ein Nachbarn Julias war. Der Verdächtige war Anfang des Jahres nach Biebertal gezogen. Die Polizei hatte insgesamt 200 Fotos von Radarkontrollen in der Nähe des Leichenfundortes ausgewertet.

Zu den Hintergründen der Explosion vom Montag wollten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag nichts sagen. Die Polizei setzte die Durchsuchung des Hauses des 33-Jährigen fort. Das gesamte Areal wurde mit Video gefilmt, der Komposthaufen durchsiebt. Im Haus gruben Polizisten mit Schippen und Spaten. Das gesamte Material soll beim Hessischen Landeskriminalamt in Wiesbaden untersucht werden. Mit Ergebnissen sei nicht vor kommender Woche zu rechnen, sagte Maier. Trotz aller bisherigen Indizien fehle noch der eindeutige Sachbeweis. Auch andere Spuren würden weiter verfolgt.

Auch gebe es nach wie vor keine konkreten Hinweise auf einen Zusammenhang des Falles Julia mit dem ungeklärten Mord an der ebenfalls achtjährigen Johanna im April 2000. Auffällige Parallelen seien nur das ähnliche Aussehen der Kinder und die räumliche Nähe der beiden Fälle im Bereich Mittelhessen-Wetterau. Der Leiter der Soko Johanna sei eng in die Ermittlungen zu Julia eingebunden gewesen.

(RPO Archiv)